Oechelhäuser, Adolf von
Der Bilderkreis zum Wälschen Gaste des Thomasin von Zerclaere — Heidelberg, 1890

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DIB HANDSCHRIFTEN DES WÄLSCHEN GASTES.

D

as unter dem Namen: „Der wälsehe Gast" bekannte mittelhochdeutsche Lehrgedicht des*
Domherrn von Aquileja, Thomasin von Zerclaere, welches derselbe in den Jahren
1215 lind 1216, seiner eigenen Angabe zufolge, innerhalb 10 Monaten gedichtet hat, ist
uns in einer Anzahl Handschriften überliefert, von denen weitaus der grössere Theil mit
Illustrationen versehen ist. Ausser den 12 von H. Rückert*) benutzten sind dem Ver-
fasser noch zwei weitere Handschriften bekannt geworden: eine nachstehend unter V be-
schriebene Pergament- sowie eine ans St. Peter im Schwarzwald stammende Papier-Hand-
schrift, welche jetzt in der Hof- und Landesbibliothek in Karlsruhe aufbewahrt wird**).
Von diesen 14 sind mir 4 Handschriften ohne bildlichen Schmuck, und fallen in Folge
dessen für unsere Betrachtungen aus.

Wir lassen zunächst eine Aufzählung und kurze Beschreibung der illnminirten
Handschriften des wälschen Gastes folgen:

I. Die älteste und textlich wichtigste ist die Heidelberger Pergament-
handschrift Cod. Pal. Germ. 38 9, ein dicker Octavband von 225 Blättern, im
Katalog von K. Bartsch***) unter No. 211 verzeichnet und beschrieben. Nach Rückert's

*) Heinrich Rückert, Der wälsehe Gast des Thomasin von Zirclaria, Quedlinburg u. Leijjzig 1852.
**) Die von K. Goedeke (Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung, 2. Aufl. I, 1884.
S. 163) angeführte 13. Handschrift ist irrthümlich als Eichstädter bezeichnet (vergl. Pertz, Archiv IX, 559)
und wahrscheinlich mit der von uns unter VI beschriebenen Papier - Handschrift identisch. Das Karlsruher
Ms. stammt aus dem XV. s. und ist laut eingetragener Notiz i. J. 1763 vom Abt von St. Peter, im Schwarz-
wald erstanden. In den Columnen ist Platz für Bilder leer gelassen, und zwar an denselben Stellen, an
welchen in den nachstehend beschriebenen Handschriften die Illustrationen eingefügt sind.

***) Karl Bartsch, Die altdeutschen Handschriften der Universitäts - Bibliothek in Heidelberg,
Heidelberg 1887.

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