Oechelhäuser, Adolf von
Der Bilderkreis zum Wälschen Gaste des Thomasin von Zerclaere — Heidelberg, 1890

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VERGLEICHENDE BESCHREIBUNG DER ILLUSTRATIONEN

ZUM WÄLSCHEN GASTE UNTER ZUGRUNDELEGUNG

DER ÄLTESTEN HEIDELBERGER HANDSCHRIFT.

Die vorbescliriebenen 10 illuminirten Handschriften des wälschen Gastes umfassen hin-
sichtlich ihrer Entstehungszeit einen Zeitraum von zwei Jahrhunderten und er-
strecken sich hinsichtlich ihres Entstehungsortes fast über alle Theile des mittelhoch-
deutschen Sprachgebietes. Um so wichtiger ist das aus der Vergleichung der Bilderfolgen
der einzelnen Handschriften gewonnene Resultat, das an dieser Stelle vorausgeschickt werden
mag, dass nämlich bei sämmtlichen Mss. eine strenge Uebereinstimmung
in der Zahl, Reihenfolge und Anordnung der Illustrationen vorhanden
und dass als gemeinsamer Ausgangspunkt eine verloren gegangene Hand-
schrift anzusehen ist, die wir in Folgendem als Original-Handschrift
mit 0 bezeichnen wollen.

Als Grundlage der vergleichenden Betrachtung, die wir nachstehend geben,
ist aus naheliegenden Gründen die Bilderfolge der ältesten, der Heidelberger Pergament-
Handschrift A gewählt und somit auch nach dieser die Numerirung der Bilder vorge-
nommen worden. Um diese Untersuchungen nicht zu umfangreich zu gestalten, können
wir natürlich nicht im Einzelnen auf alle Abweichungen eingehen, sondern werden uns
in vielen Fällen auf die Constatirung der Thatsache der event. Abweichung und auf die
Besprechung der wichtigsten Veränderungen zu beschränken haben.

1) Fol. 2a. Links die Sosbett als ärmlich gekleidetes, hässliches Weib in ver-
schränkter Haltung, mit Spruchzettel in der Rechten (Dliul} aller slabt ungemacb) vor dem
23oSDtr/t*) stehend. Derselbe, gleichfalls in abschreckender Hässlichkeit, bucklig und krumm,

*) Der Text der Schriftbänder wimmelt in unserm, wie in allen übrigen Mss., von Schreibfehlern,
die wir möglichst berichtigt wiedergeben, ohne dabei jedoch der Eigenartigkeit der betr. Schreibweise
zu nahe zu treten.
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