Winnefeld, Hermann
Altertümer von Pergamon (Band III,2, Text): Die Friese des groszen Altars — Berlin, 1910

Page: 112
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Teehnisehes.

Der Fries ill gearbeitet aus Blöcken großkristallinischen bläulichen Marmors1 von etwa
2,25 bis 2,30 m Höhe und in der Regel zwischen 0,70 und 1,05 m schwankender Breite; die
geringlte Breite, die vorkommt, beträgt 0,605 m an dem zweiten Block der Nordleite, von der
Nordollecke gerechnet (n. 18,2), die größte Breite 1,63 m bei dem vorletzten Block an der
rechten Treppenwange (n. 31,1), der aber nicht die volle Höhe hat und an Made hinter den
Blöcken mit Durchschnittsmaßen trotz seiner großen Breite doch noch zurückbleibt. Die Dicke der
rohen Blöcke muß durchlchnittlich etwa 0,50 m betragen haben. Sie waren am Bauwerk verletzt
mit in der ganzen Fläche glattgeschliiVenen Stoß- und Lagertlächen ohne Anathyrolis, die Rückseitc
grob behauen, wie lie aus dem Steinbruch kam; und zwar wurden lie verletzt, ehe das Kernmauer-
werk dahinter ausgeführt war: in der Mitte der Unterleite haben die meisten von ihnen eine
etwa 0,08 m breite Ausklinkung, die, an der Rückseite des Blocks etwa 0,03 m hoch, mit gleich-
mäßiger Abflachung gegen die Vorderseite hin in ungesähr 0,08 m Abitand von der Rückleite
in der unteren Lagerlläche des Blocks verläuft. Aus nicht ersichtlichem Grunde ist diele Aus-
klinkung bei Block n. 18, 3 bis auf 0,15 m an die rechte Stoßkante herangerückt; minder bedeu-
tende Verschiebungen kommen auch sonlt vor. Der ungewöhnlich breite Block n. 31,1 hat
zwei solche Ausklinkungen. Ihr Zweck kann nur
gewesen sein, hier den Hebebaum einzusetzen,
um den Block von hinten her an leine richtige
Stelle zu sehieben, und dazu llimmt, daß die
Reite des Fußgliedes, auf dem die Friesblöcke
ausgerichtet waren, auf der Oberseite nahe an
ihrem hinteren Rande diesem parallel gerichtete
Stemmlöcher zeigen, nicht hinter der Mitte des
Blocks, wo lie der erwähnten Ausklinkungen
wegen unnötig waren, sondern nahe bei den
Stoßfugen (Abb. 67 wiederholt aus Bd. VIII
S. 56); der Block wurde also gleichzeitig mit einem Wuchte bäum und zwei Eilen vorgeschoben,
von denen jener in die Ausklinkung eingrisf, diele beiden in die Stemmlöcher des Fußgliedes
eingesetzt wurden.


Abb. 67

1 Der Marmorbruch, in dem der Stein gewonnen wurde, ist noch nicht nachgewiesen; die Möglichkeit, daß
er am Fuße des Akkaya im Kolak gelegen sei (Schuchhardt, Mitr. d. athen. Instit. XXIV [1899] S. 149 f.), bedarf noch
näherer Nachprüfung an Ort und Stelle.
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