Winnefeld, Hermann
Altertümer von Pergamon (Band III,2, Text): Die Friese des groszen Altars — Berlin, 1910

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Anordnung und Deutung.

Der Fries ilt eine der am volllländigsten erhaltenen großen Reliefkompolitionen, die aus
dem griechischen Altertum aus uns gekommen lind, einzelne Teile sind in vorzüglichem Zu-
stand, sall ohne Beltoßung und Verwitterung; den architcktoniiehen Rahmen, in den er ein-
gesügt war, kann man mit voller Sicherheit wicdcrheritellen, wie das Bd. III i S. 15 ss- dargelegt
iil, — und doch gibt dieler Fries eine Menge von Rätsein auf, deren Zahl bei immer wieder-
holter und immer eindringenderer Belchästigung mit dem Gegenltand lieh eher vermehrt als
vermindert. Nur ihre Darlegung, nicht ihre Löl'ung kann im solgenden geboten werden.
Die Anordnung des Frieses auf den Taseln und entlprechend in der Beschreibung ilt die,
in der er in den Jahren 1901 bis 10,08 im Pergamon-Museum ausgelleilt war. Es ist im
wesentlichen die Anordnung, die im Lause der achtziger Jahre bei den Zuiammcnsetzungs-
arbeiten in der Werkstatt der Königlichen Museen ausgeprobt worden war und ihre Begründung
Ibwie Deutung erhalten hatte durch die beiden Aussätze von O. Puch'stcin »Zur pergamenischen
Gigantomachie« in den Sitzungsberichten der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschasten
zu Berlin 1888 S. 1231 ff, 1889 5.323 sr. und durch die von ihm versaßte, von den Königlichen
Museen herausgegebene »Beschreibung der Skulpturen aus Pergamon I. Gigantomachie« Berlin
1895, deren Überlichtstasel auch von Pontremoli-Collignon, Pergame 1900 Tas. VIIbis über-
nommen wurde und hier Beilage 3 wiederholt wird. Widerspruch gegen Einzelheiten der
Deutung hatte lieh erhoben; die Anordnung aber war ohne Wideripruch geblieben.
Und nur in einem Punkte drängte lieh bei der Ausstellung im Pergamon-Museum eine Ab-
weichung von dem bis dahin Gültigen mit zwingender Notwendigkeit auf. Man hatte angenommen,
daß die drei langgelockten Göttinnen der Nordseite (Folge n. 23, 2—4 und 26, 2 Tas. XVIII. XIX)
lieh in unmittelbarer Absolge aneinanderschlölsen und an die Ansatzlpur an der Spitze des ausge-
breiteten rechten Flügels des Gegners der dritten (Bruchltück n. 25) der Kops der zweiten anzusügen
sei. Bei der Austeilung zeigte lieh, daß das nicht möglich war, und damit gewann auch das Be-
denken größeres Gewicht, daß der unter dieser Flügelspitze nach rechts wehende Gewandzipsel
zur Bewegung der zweiten Göttin nicht paßte; er ssog der in llürmischem Lause nach rechts
eilenden in derlelben Richtung voraus, statt, wie es naturgemäß wäre, in dem der Bewegung
entgegengel'etzten Sinne rückwärts zu ssattern; man vergleiche Platte n. 6,3 (Tas. V), wo ein
ausgebreiteter rechter Flügel und ein zurückwehender Mantelzipsel lall genau ebenlb wie auf
den Bruchstücken n. 25 dargellellt lind. Um an Stelle des dadurch als unmöglich Erwiesenen
wenigllens etwas Mögliches, wenn auch nicht erweisbar Richtiges zu letzen, schob man an
dieser Stelle die Reste einer Gruppe n. 24 ein, die, nach beiden Seiten ohne Anschluß, bisher
rechts von der Göttin mit der schlangenumwundenen Hydria eingeordnet gewesen waren; der
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