Winnefeld, Hermann
Altertümer von Pergamon (Band III,2, Text): Die Friese des groszen Altars — Berlin, 1910

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Jen Figur: wo Teile ihres Rumpses lichtbar werden müßten, isl nur ganz ebener Reliesgrund.
und lediglich durch Farbe kann die unerläßliche Verdeutlichung des zu dem in Relies aus-
gesührten Kopse zugehörigen Körpers erreicht worden lein. Ähnlich ist aus Platte n.«8 (Tas.
XXXII 3) sür das eine nach hinten gerichtete Bein des Gestells, woran der Kelsel hängt, nur
oberhalb des Kellelrandes ein Marmorstreis stehengelaisen, aus dem es plastisch ausgearbeitet
werden tollte; in der Verlängerung unterhalb des Kclsels ist glatter Reliesgrund, aus dem der
untere Teil des Beins nur ausgemalt gewesen sein kann. Ebenso unerläßlich ericheint aus den
Platten n. 45 und 46 (Taf. XXXII 2) ein Unterschied in der Färbung zwischen dem Felsgrund
und dem ein!! darüber besindlichen Himmel; denn da auch der Felsgrund ganz glatt gehalten,
nur durch wenige ssach eingetieste Striche bezeichnet ist, konnte der Unterschied in der plasti-
schen Wirkung unmöglich ausreichen, um die Bedeutung und Gliederung des Hintergrunds zu
dem Maße von Anschaulicbkeit zu bringen, das an andern Stellen durch Itärkere plaslische
Aussührung des Beiwerks erreicht ill
Eine andere Frage ill, ob die beabiichtigte Bemalung wirklich ausgesührt worden ilt, und diele
Frage wird man mit ziemlicher Beltiinmtheit verneinen dürsen. Daß keine Spuren von Farbe er-
halten lind, kann man sreilich nicht gegen ihr einttiges Vorhandenlein geltend machen, wenn man
bedenkt, wie gering die Spur war, die von der Anwendung von Farbe am großen Fries allein
übriggeblieben und seit der Aussindung auch noch verschwunden ilt (S.29 Anmerkung). Aber es ilt
undenkbar, daß Künstler, die ihre Arbeit in Ib unsertigem Zustand zurückließen wie Platte n. <>,
diese rohen Skizzen tollten gesärbt haben, und äußerlt unwahrscheinlich ilt, daß die sertig gear-
beiteten Teile des Fricses sarbig neben den noch marmorweißen unsertigen geltanden haben lbllten.
Die l'nsertigkcit erltreckte lieh auf ziemlich ausgedehnte Teile des Frieies. Außer bei
den Platten n. 5 und 6 (Tas. XXXI 2) sind sichere Spuren unsertiger Arbeit in der Beschreibung
verzeichnet bei n. 8 (Tas. XXXII 3. XXXVI 11), n. 10 (Taf. XXXII, 5), n. n (Taf. XXXI 5),
n. 14a (Taf. XXXIV 5), n. 20 (Taf. XXXI 7), und in lehr vielen anderen Fällen ilt man in der
Lage zu zweiseln, ob wirklich der vom Künstler beabsichtigte Endzustand erreicht ilt. Diele
Zweisel sind um so berechtigter, als die L'nsertigkcit nicht auf dielen Fries beschränkt ilt, sondern
lieh aus den ganzen Oberbau des Altars erstreckt: die Haile, die den Fries schützen Iblltc, ilt
nie zur Aussührung gekommen (Bd. III 1 S. 57), und lelbst die Wasserspeier des Geison der
nach außen gewendeten Säulenhalle lind als rohe Bollen slehengeblieben; Teile dieses Geiion
sind Geher später als der übrige Bau (Bd. III 1 S. 37 f.), und es muß mindestens die Möglichkeit
ossengehalten werden, daß in ihnen nicht Ersatz sür beschädigte ältere Stücke, sondern ein An-
satz zur Durchsührung des unvollendet liegengebliebenen zu sehen wäre, einer lpäten Wieder-
ausnahme der Arbeit, die glücklicher weise den Fries unberührt ließ.
Natürlich mussen auch an der Aussührung dieses Frieses zahlreiche Künstlerhände beteiligt
gewesen sein; aber es sehlt dasür an jedem äußeren Zeugnis, wie ein solches sür die Giganto-
tnachie in den Reden der Künstlerinschristen gegeben iit. Man kann denken, daß auch daran
der Zulland der l'nsertigkeit schuld ilt, in dem der kleine Fries verblieb. Und diese Unsertig-
keit zufemmen mit dem äußerlt trümmerhasten Erhaltungszustand erschwert auch lehr jeden
Versuch, durch stilistische Beobachtungen eine Art von Frsatz zu schassen (Schrader, Jahrbuch
XV S. 112). Verschiedenheiten lind vorhanden, wie solche in der Gewandbehandlung Schrader
dazu gesührt haben, Platte n. 36 aus dem srüher angenommenen Zulammenhang mit n. 16—18
zu lösen und vielmehr mit n. 38—40 zu verbinden (s. unten S. 223). Aber das Material reicht
nicht aus, um von der Art einzelner der beteiligten Künstler eine so fest umrissene Vorltellung
zu gewinnen, wie man lie sich etwa von der Art des Künstlers der Athenagruppe der Giganto-
machie bilden kann; danach eine Verteilung der Reite aus verschiedene Hände durchzusühren,
ilt gänzlich ausgeschlolscn, um Ib mehr, als die Aussührung nicht entsernt so große L'nterschiede
erkennen läßt wie bei der Gigantomachie.
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