Winnefeld, Hermann
Altertümer von Pergamon (Band III,2, Text): Die Friese des groszen Altars — Berlin, 1910

Page: 216
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/pergamon1910/0226
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Auch die Fundverhältntsse geben lehr wenig aus: von 32 Platten und größeren Platten-
bruchiiücken. deren Fundslellcn bekannt sind, llammen els aus der Gegend der Nordostecke
des Altarfundamentes, denen man als zwölstes das unter dem Plattenptlalter des Burgwegs
Östlich der Altartcrralse gesundene Stück n.44 zuzählen kann; zwei lind in der Nahe der Süd-
otteckc des Altarsundamentes gesunden, zehn in der byzantinischen Mauer, und zwar sall alle in
der Nahe des durch lie hindurchführenden Tores, der Reit zwischen d^v Südwestecke des
Altarsundamentes und dem welllichen Teile der byzantinischen Mauer, also wohl aus dem Wege
zu dieser liegengeblieben. Von den geschlossenen Plattensolgen n. 38—40 und n. 44—46 sind
Teile im Nordollen und im Süden gesunden. Will man unter diesen Umitänden überhaupt
einen Schluß aus den Fundstellen ziehen, ib kann es nur der schon von Robert aufeestellte
sein, daß die durch Platte n. 34—36 gebildete Ecke die Nordostecke sein muß, da diese drei
Platten in deren Nahe gesunden sind. Aber Robert hat selbst, Jahrb. d. Archäol. Jnst, III S. 98,
anerkannt, daß dieser Schluß unlicher irt, weil in der Gegend der Nordollecke zum Zweck der
Errichtung von Wohnhaulern eine große Menge nicht zusammengehöriger Rede des Altarbaus
zusammengeschleppt ill. Von den großen Ichweren Platten des großen Frieses hat man sür
das spsite schiechte Gemäuer gewiß nur verwendet, was in nächster Nähe war; aber die leicht
zu handhabenden Platten des kleinen Frieses kann man ebensogut von weiterher geholt haben,
wie das nachweislich mit recht llattlichen Bruchstücken des großen Frieses geschehen ist {s. oben
S. 131). Schrader hat daher (Jahrb. XV S. n 1) jede Verwendung der Fundltellen von Platten
des kleinen Frieses zu Schlülsen über ihren einlh'gen Auftlellungsplatz abgelehnt. Hat doch auch
Robert davon keineswegs durchgehenden Gebrauch zu machen versucht und Folge n.-^S—40,
die fast ganz bei der Nordoitecke gesunden ist, an die Südleite des Altarhoses gesetzt.

Unter den Reiten des kleinen Frieses hat Lolling schon gleich bei den Grabungsarbeiten
Platte n. 4:2 (Taf. XXXIII 4) als die Flucht des Telcphos mit dem kleinen Oreti.es auf den
Altar im Hause des Agamemnon erkannt an der Übereinstimmung mit den zuerst: von O.Jahn
zusammengebrachten Darltcllungen dieses Vorgangs (Telcphos und Troilos 1841, Archäolog.
Aussätzc 1845 S. 160IT., Archäolog. Zeitung 1857 Sp. SqtV., Telephos und Troilos und kein Ende
1859), deren Zahl lieh inzwischen vor allem durch Brunn, Rilievi delle urne etruseke Tas. XXVI
bis XXXIII, noch wcsentlich vermehrt hatte. Conze hat dieses Stück als einzige Probe des
kleinen Frieses im Ersten vorläufigen Bericht S. 66 abgebildet und in dem kurzen, dort S. 67 II.
gegebenen Überblick der Überreite dieser Reliesreihe als ticher der Telephossage angehörig
weher ausgesührt: 11. 12 (Tas. XXXI 6), die Aussindung des Telephos durch Herakles; n. 3
(Tas. XXXI 2), Herakles neben einem Baume: n. 5 und 6 (Taf, XXXI 3), die Vorbereitung zur
Aussetzung der Auge, außerdem einige weitere Platten, sür die eine Beziehung auf die Telephos-
sage ihm wcnigltens nahezuliegen schien. Diese Deutungen Conzes hat Pilling, Quomodo Telephi
fabulam et scriptores ei artißces veteres Iractaverint (Diss. Hai. 1886 8.781!".), übernommen, die
Erklärung von n. 3 dahin weitergesührt, daß hier ein Reit der Begegnung von Herakles und
Auge erhalten zu sein Icheine (S. 80), und die Vermutung ausgertellt, daß in n. 21 (Tal. XXXI 7)
der von Hygin fab. C erzählte Vorgang dargeliellt sei, wie Telephos und Auge im Brautgemach
durch eine Schlange getrennt werden (S. 90 Anm. 6). Conze hat S. 67 ausdrücklich die Mög-
lichkeit ossen gelallen, »daß auch andere Lokalsagen in die Darstellung einbezogen waren«. Er
erinnerte an Eurypylos, den Sohn des Telephos, und an Pergamos, den Aiakiden, der der Stadt
den Namen gab.
Die grundlegende Arbeit sür die Erklärung des Frieses wird C. Robert verdankt, der,
nachdem die Bruchstücke im Berliner Museum gereinigt, geordnet und soweit als möglich zu-
lammengesetzi waren, ihnen zuerst eine eingehende will'cnlchastliche Untersuchung widmete und
loading ...