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Petersen, Eugen
Ein Werk des Panainos — Leipzig, 1905

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https://doi.org/10.11588/diglit.9306#0011
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Theseus und Peirithoos im Hades. Als die Griechen im
6. Jahrhundert begannen, die Unterwelt mit den durch die epische
Dichtung verherrlichten Heroen und Heroinen bevölkert auszumalen,
fanden bald auch Theseus und Peirithoos1) darin Aufnahme, sie
gleichwie Achill und Patroklos, Orest und Pylades, eines der be-
rühmten Beispiele bis in den Tod getreuer Freundschaft. Sie waren
lebend in den Hades hinabgestiegen, um, wie sie gemeinsam schon
Helena geraubt hatten, nun gar die Königin der Schatten, Persephone,
zu entführen. Zur Strafe wurden sie dort unten gefesselt, in Banden
oder durch festhaltenden Sitz, dergleichen auch griechische Sage
sonst noch kennt. Soweit war die Dichtung schon vor dem 5. Jahr-
hundert fertig und im einzelnen ausgeführt. Wer gegen das Ende
der Nekyia den Vers 631 einschob und den Odysseus sagen ließ,
er hätte drunten, wenn ihn nicht Hades und Persephone verscheucht
hätten, wohl auch Theseus und Peirithoos noch gesehen, der läßt
zwar der beiden Helden Situation völlig im Dunkeln; doch eben
die andeutende Kürze seiner Worte setzt das Abenteuer als bekannt
voraus. In der Tat hatte schon ein hesiodisches Gedicht der Freunde
gemeinsame Hadesfahrt geschildert, und aus einem andern Epos,
der Minyas vernehmen wir den Zug, daß sie den Totennachen des
greisen Fährmanns Charon aufsuchten aber nicht zur Stelle fanden.
Die Fesselthrone, an welche die Verwegenen anwuchsen, und die
auch selber aus gewachsenem Fels bestanden, waren in Panyasis'
Heraklee erwähnt, also doch wohl im Zusammenhang mit Herakles'
Erlösungstat. Daß dieser den Theseus aus dem Hades zurückführte
ist dann nicht nur in Euripides' Herakles, den man zwischen 423
und 416 ansetzt2), öfters bestimmt ausgesprochen, sondern auch in

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