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Petersen, Eugen
Ein Werk des Panainos — Leipzig, 1905

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https://doi.org/10.11588/diglit.9306#0030
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zu wenig mannhaften Orpheus die Alkestis gegenüber, auch sie
mannhafter als ihr Gemahl Admetos.

Ein einziger inhalts- und folgenschwerer Moment also in dem
sich alles zusammendrängt steht in dem Relief vor unsern Augen:
Gehorsam dem Gebote schritt Orpheus, die Leyer in der Hand,
ohne umzublicken der Gattin vorauf. Da legt sie ihm die Hand
auf die Schulter, 'weil sie seine Kälte nicht begreift', dürften wir
sagen, wenn wir wüßten, daß sie von dem Gebote keine Kunde
hatte; sonst, ja jedenfalls, müssen wir darin die Liebesgewalt ob-
jektiviert sehen, diesmal anders als auf der Vase S. Angelo 70941),
wo ein Eros von Eurydike zu Orpheus hinüberflattert, und ihn
herumzudrehen sucht. Genug, Eurydike legt ihm die Hand auf
die Schulter und fragend, innig ruht ihr Blick auf seinem Antlitz,
nun er, ob solcher Berührung alles vergessend, zu ihr sich wendet.
Doch in demselben Augenblicke legt Hermes seine Hand auf sie,
und kommt Orpheus bei Eurydikes Anblick auch schon zum Be-
wußtsein, was er mehr nicht wollend als wollend getan, und mit
leisem Vorwurf hebt er seine Hand, um die Hand der Geliebten
zu entfernen. Doch auch dieser Handbewegung sieht man es an: 'sie
hat der Leyer zarte Saiten, doch nie des Bogens Kraft gespannt'.

Ist es nun zu viel gesagt, wenn ich behaupte, daß in dem Mittel-
stück unseres Dreivereins, als welches das Orpheusrelief zwischen
Peliaden und Peirithoos erkannt ward, die drei Personen, wie vor-
her durch 'Bewegung und Spiel der Hände', so jetzt auch durch
die innere Bewegung, den Strom der Empfindungen von Gemüt
zu Gemüt in ganz andrer Weise verbunden erscheinen als in den
beiden Seitenbildern, und daß eben dadurch das Orpheusrelief als
das Hauptstück, der wahre Schwer- und Mittelpunkt des ganzen
Dreivereins sich bewährt.

Innere Einheit. Jetzt muß es sich doch auch zeigen, ob die
drei Reliefs auch durch Einheit des Gedankens zusammengehalten
werden. Solches Gedankenband fand Brunn42) zwischen den zweien,
Orpheus und Peliaden: 'Orpheus', sagt er, 'verliert die Gattin auf
immer, weil er dem Versprechen Plutos mißtrauend sich umblickt;
die Peliaden verderben ihren Vater, weil sie den Ratschlägen der
Medea leichtgläubig vertrauend in seine Zerstückelung willigen'.
Als ob diese in zwei Worte der Interpretation hineingelegte, nur

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