Probst, Hansjörg
Neckarau (Band 1): Von den Anfängen bis ins 18. Jahrhundert — Mannheim, 1988

Seite: 27
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DAS NIEDERFELD

Der Inselcharakter des Niederfeldes war bis ins 20. Jahrhundert offenkundig. Seine
frühe Erwähnung bereits 1348 zeigt, daß es schon immer dem Getreideanbau diente,
und zwar innerhalb der alten Eindeichung. Sein Umfang betrug nach der Vermes-
sung des Jahres 176363 78 231 Ruten = 490 Morgen = 181 Hektar. Das ortsnahe Nie-
derfeld ist das älteste Neckarauer Ackerfeld. Das den Überschwemmungen ausge-
setzte Gelände zwischen dem Deich und dem Gießen war bis ins 18. Jahrhundert
Weide, wie die Flurnamen Auf der Wiese, Grien, Untersennteich, Zahnig, Schäfers-
lache, Dumpfei, Fischerwerth, Niederweide und Baumgdrtengründel beweisen. Auf
Ackerbau weisen die Flurnamen Rübengewann, In der Hang, Eigenacker, Viermor-
gen, Bohl, Budtruten und Kleinfeldstücker hin. Sonderkulturen in Dorf nähe zeigen
an: Wingert, Schilbocks Garten, Baum- und Dorf garten und auch Kappes. Die Na-
men Im Lohr, Papelrausch und Schelmenhecke leiten sich von Feldgehölzen her. In
der Verlängerung der Rheingoldstraße führte der Steinsweg diagonal durch das Nie-
derfeld auf die dritte Brücke kurz vor dem Zusammenfluß der beiden Gießenarme
zu; vom Steinsweg zweigte der Waldweg ab, der über das Niederbrückl führte. Das
Niederbrückl und jene dritte namenlose Gießenbrücke waren übrigens die einzigen
Zugänge auf das Niederfeld außerhalb des Dorfes. Der zweite Weg, der das Nieder-
feld erschloß, war der Mannheimer Weg, der auf die Zeit vor dem Dreißigjährigen
Krieg zurückreicht und damals den Rauhgießen bei der Flur Im Lohr überquerte
und durch die Meerwiesen nach Mannheim führte. Schon im 18. Jahrhundert war
dieser Weg unterbrochen und endete blind im Niederfeld. Er war zu einem reinen
Feldweg geworden. Seine Funktion als Verbindung zwischen Neckarau und Mann-
heim hatte erst der jüngere Mannheimer Weg nördlich des Gießens übernommen,
nach 1740 die neu angelegte Chaussee.

DAS GROSSFELD

Die Ausdehnung des Großfeldes betrug nach der Vermessung von 176364101 405
Ruten oder 634 Morgen in heutigem Maß 234 Hektar. Auch das Großfeld ist an drei
Seiten von Wasserläufen umgeben und durch einen alten Neckarlauf, der durch die
Pfingstweid die Neurottstücke und das Hintergereute markiert wird, geteilt. Dieser
alte Neckarlauf teilt das ehemalige Kleinfeld vom Großfeld ab. Alte Deichanlagen
umschließen das inselartige Kleinfeld vollständig und das Großfeld auf drei Seiten.
Auch das Großfeld ist zum erstenmal 1348 und seitdem immer wieder erwähnt, im
selben Jahre wie das Kleinfeld; beide Felder sind natürlich in ihrer Bezeichnung auf-
einander bezogen. Nachdem im 18. Jahrhundert die Weiden im Bereich des Neurotts
neu geordnet worden waren, verschwand mit der augenfälligen Trennung der bei-
den Felder auch die Bezeichnung Kleinfeld; dieses wurde nun zum Großfeld gerech-
net. Auf alten Ackerbau verweisen die Flurnamen Schlittengewann, Flachsgewann,
Herrengewann, Bohl und Lörkelböhel, Schwarzgewann, Lamprechtacker, Mittelge-
wann, enge Wegstücker, Hasenäcker, Kurzgewann und Spitzgewann. Auf Sonder-
kulturen verweisen die Bezeichnungen Wingertstücker, Kappesgärten und Chaussee-
gärten, während Feldgehölze durch die Flurnamen Heißgewann, Pfaffenheck, Hag
und Nußbäume angezeigt werden. Die zahlreichen Bezeichnungen für Wiesen und
Weidegelände sowie Wasserarme, Tümpel und Löcher bestätigen auch hier den In-
selcharakter. Es sind dies die Flurnamen Wiesengewann, Pfingstweide, Neurott, Al-
men, Almengewann, Munk-Lücke, Weide, Weidgärten, Sauloch, Brunnengewann,
Harrlach, Harrlachbrunnen, Klumpenloch, Mönchwörth, Büchsenlöcher, Kännel
und Mörchdeich. Seit 1740 wird das Großfeld durch die Chaussee, die heutige Nek-
karauer Straße, durchschnitten. Die ältere Wegeführung sah völlig anders aus.
Sämtliche Wege waren auf die Gießenbrücke und den Ortseingang ausgerichtet. Es

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