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Kekulé von Stradonitz, Reinhard [Editor]; Rohden, Hermann von [Oth.]
Die antiken Terrakotten (Band I): Die Terracotten von Pompeji — Berlin u.a., 1880

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https://doi.org/10.11588/diglit.947#0018
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i ie Terracotten, welche bei den bisherigen Aus-
grabungen in Pompeji zum Vorschein gekommen
sind, gelangten teils nach Neapel insMuscoNazio-
nale, teils verblieben sie in Pompeji. Nur wenige
sind ins Ausland gebracht worden. Einzelnes ist in
rZeit bis in die vierziger Jahre unseres Jahrhunderts an
fremde Fürstlichkeiten bei ihrem Besuche der Ausgrabungen
verschenkt, ein grösserer Teil ist in den Kunsthandel gekom-
men und hat auf diese Weise seinen Weg bis nach Berlin und
London gefunden. Doch sind, soweit ich sehe, die verkauften
Terracotten nur geringfügige und meist fragmentirte Repliken
auch sonst bekannter Stücke. Es erschien dalier unnötig
in allen europäischen Sammlungen nach pompejanisclien
Terracotten zu forschen, zumal bei deren Verkauf nicht
immer der wahre Fundort genannt ist.

Für das Museo Nazionäle wird man im allgemeinen
als Regel hinstellen können, dass alle kleineren und die
alteren grossen Thonfiguren dort ihre Aufstellung gefunden
haben, und ferner ein grosser Teil der im vorigen und
im Anfange dieses Jahrhunderts ausgegrabenen architekto-
nischen Ornamente; alles übrige hat man in Pompeji be-
lassen, teils am Fundorte selbst, teils wird es im kleinen
Museum am Seethor und im Mercurtempel aufbewahrt.

In der für unteritaüsche Terracotten überaus wichtigen
Sammlung des Museo Nazionäle verschwindet die im Ver-
hältnis sehr geringfügige Zahl der pompejanisclien Funde
vollständig. Sie unter der grossen Masse herauszufinden
ist um so schwieriger, da sie keinen gesonderten Auf-

stellungsort erhalten haben, da die Nummern häufig un-
günstig aufgeklebt, bisweilen verloren sind, da endlich die
Invcntare erst seit etwa zwanzig Jahren die Angabe der
Herkunft und des Zeitpunktes der Inventarisirung enthalten,
so dass für alle früher ins Museum gelangten Stücke jeder
derartige Anhalt fehlt. Denn Finati's Katalog gibt nur
wenige brauchbare Notizen an die Hand; Man kann da-
her bei allen älteren Nummern nur durch Verglcichung mit
sicher pompejanisclien Terracotten und durch sorgfältige
Ausnutzung der Fuudberichte und gelegentlicher Erwäh-
nungen zu sicheren Ergebnissen gelangen.

Aus diesen Gründen erklärt sich, dass es nicht ge-
lungen ist, die in den Berichten genannten Funde sänimt-
lich wieder aufzufinden, ohne dass sich von den vermissten
Stücken mit Sicherheit sagen Hesse, sie gehörten zu den
durch Handel oder Schenkung ins Ausland gekommenen
Terracotten. Einzelnes mag sich bei einer .durchgreifenden
Neuordnung der Neapler Sammlung noch als ponipejanisch
herausstellen; doch glaube ich versichert sein zu können,
dass nichts irgendwie wichtiges mir entgangen ist.

Günstiger liegen die Verhältnisse in Pompeji selbst.
Hier fallt die Schwierigkeit Pompejanisches aus einer grossen
Menge von Niclit-Pompejanischem auszusondern, ohne wei-
teres fort. Der Mercurtempel, der schon bald nach seiner
Aüfgrabung als Magazin benutzt wurde, diente besonders
in dem vierten und fünften Jahrzehnt unseres Jahrhunderts
als Sammelstätte für alle architektonischen Thönörnainehte;
unter der neuen Verwaltung wurden viele der älteren Stücke
 
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