Dürer, Albrecht ; Rupprich, Hans [Hrsg.]
Schriftlicher Nachlaß (3): Lehre von menschlicher Proportion: Entwürfe zur Vermessungsart der Exempada u. zur Bewegungslehre ; Reihschriftzyklen ; der Aesthetische Exkurs ; die Unterweisung der Messung ; Befestigungslehre ; Verschiedenes — Berlin, 1969

Seite: 427
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A. MESSERFECHTEN

A. DIE VIER GRUNDTYPEN DES MESSERFECHTENS

Drei Blätter, von denen nur zwei verwendet wurden, und ein Meiner Zettel, alle im Londoner Codex $229,
bekunden, daß Dürer sich 1312 mit Studien über die FeAtkunst bes&äftigte. Die Relikte stehen in the-
matischem Zusammenhang mit Dürers erst in neuerer Zeit wieder entdecktem und herausgegebenem Fe&t-
buAL Dieser Verbindung wegen und weil die HandschriA, in der das Werk überliefert ist, sich bei Dürers
Tod unter seinem SchriAHAen NaAlaß befand, muß zunä&st auf dieses eigenartige Erzeugnis, das sich so
sAwer in Dürers GesamtschaAen einordnen läßt, etwas näher eingegangen werden.
Die Originalhands&riA dieses, wie man besser sagt, Ring- und Fe&tbuches beAndet si& derzeit in Wien,
Albertina Inv. Nr. 26232 (ehemals Codex XXIV. Asi der K. u. K. FamilienAdeikommißbibliothek)^. Die
PapierhandsAriA umfaßt 33 beiderseitig mit ZeiAnungen versehene Blätter, 31X22 cm, mit dem Wasser-
zeichen OAsenkopf mit Kreuz und Schlange. Sie wurde im Laufe des 16. Jahrhunderts aus Dürers NaAlaß
abgezweigt und gegen Ende des Jahrhunderts neu gebunden. Erst 1823 entdeckte sie der Wiener Professor
Vinzenz Weintritt in der Steiermark und widmete sie Kaiser Franz I. Das BuA besteht aus drei Abteilun-
gen, deren jede für siA beziAert ist: 1. Ringkämpfe 1—120 (Taf. t—40); 2. SAwertkämpfe t —13
(Taf. 41—47) und Ring-Dolchkämpfe 14—22 (Taf. 48—30); 3. Messerkämpfe 1—38 (Taf. 31—70). Den
120 Ringerpaaren sind jeweils Texte beigefügt. Diese sind von Nr. 1 — 32 und 61—90 von Dürer, von
33—60 von Pir&heimer, von 91 —120 von einer dritten, bisher niAt identiAzierten Hand gesArieben. Das
Werk wurde weder von Dürer vollendet, noA ist alles Reduzierte erhalten. Die ZeiAnungen hielt Dörn-
höAer für eigenhändige Arbeiten Dürers, mit Ausnahme der Schwertkämpfe Nr. 1—13 (Taf. 41—47), die
er für Pausen oder NaAzeiAnungen naA Dürer ansah, und der Messerkämpfe Nr. 47—38 (Taf. 67—70),
die er einer schwäAeren Hand zuschrieb. Das Werk gehört zur Fecht- und RingerbuAliteratur der Zeit,
wie sie siA im AnsAluß an das Fechtbuch des Johannes LiAtenauer (1389)3, das RingkampfbuA des Ott
(Ottnid)* **, das FeAtbuA von Paulus Kal (um 1460)3, die verschiedenen Redaktionen des FeAtbuches von
Hans Thalhofer (1443, 1439, 1467)" entfaltet und vom kriegerischen auf den sportliAen Zweck verlagert
hatte'.

* Vgl. F. DörnhöAer, A. Dürers FeAtbuA. Jahrbuch der KunsthistorisAen Sammlungen 27 (Wien 1907/09), HeA 6,
auch separat (1910).
^ Vgl. BesAreibender Katalog der Handzeichnungen in der GraphisAen Sammlung Albertina Bd. IV (Wien 1933),
S. 24, Nr. 163.
s Vgl. über ihn E. A. Geßler in: Die deutsAe Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. III (1943), Sp. 44 A.;
M. WiersAin, Meister Johann LiAtenauers Kunst des Fe Atens (1963; Münchener Texte und UntersuAungen zur Deut-
sAen Literatur des Mittelalters 13).
Eine eigenh. AbsAriR von „Meyster Lichtenauers FeAten Kunst" durA W. Pir&heimer aus dem Anfang des 16. Jh.
ist in der Nürnberger Stadtbibliothek (Pir&h. Papp. 333) erhalten. Vgl. aus der Geschichte des Nürnberger Sports.
Ausstellungs-Katalog der Stadtbibliothek Nürnberg 11 (1939), Nr. 20.
** E. A. Geßler, ebd., Sp. 670 f.
s Ders., ebd., II (1936), Sp. 746.
s Ders., ebd., IV (1933), Sp. 412 ff.
? An der Wende vom 13. zum 16. Jh. erschienen auA die ersten Werke dieser Art im Druck: ein von Hans Wurm in
Landshut verfertigtes Buch mit Ringerstücken und ein in drei Ausgaben bekanntes, mit Holzschnitten illustriertes
RingbuA (Hain 9802, 13 916).

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