Schwartze, Moritz Gotthilf; Schwartze, Moritz Gotthilf
Das alte Aegypten oder Sprache, Geschichte, Religion und Verfassung des alten Aegyptens: nach den altägyptischen Original-Schriften und den Mittheilungen der nichtägyptischen alten Schriftsteller (Band 1) — Leipzig, 1843

Seite: XLIV
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Vorrede.

zu unternehmen. Die gewaltige Masse des zu verarbeitenden Stoffes gestattete mir nur
die Anlage des Buches in grossen Umrissen zu entwerfen, nöthigte mich aber, die beson-
dere Auslührung der einzelnen, namentlich der untergeordneteren Theile dem Fortgange des
Werkes selbst zu überlassen. Zu gleicher Zeit zwang mich der gewaltige Zeit-Umfang,
in welchem eine so ausgedehnte Anlage muthmaasslich von mir zu überwältigen war, zu
einer rastlosen, immer nach vorwärts strebenden Thätigkeit. Der Druck, welcher mit äu-
sserst kurzen Unterbrechungen von dem Ist. Junius des Jahres 1835 bis zu dem Anfange
des Februars 1843 währte, durfte nicht auf längere Zeit aufgehalten werden, wenn nicht
die Vollendung des Ganzen ernstlichst in Frage gestellt werden sollte. Da mich die ei-
genthümliche Beschaffenheit meiner Arbeit hauptsächlich auf mich selbst verwies, so habe
ich öfters im Forlgange des Werkes eingesehen, dass frühere Ansichten theils mehr oder
weniger, theils ganz verfehlt waren. Hieran war nicht immer Mangel an intensiver und
extensiver Betrachtung Schuld. Diejenigen Gelehrten, welche sich ähnlichen Forschungen
unterzogen haben, werden mir bezeugen, dass man gewisse Materien Monate, ja so gar
Jahre lang überdenken und bei sich völlig abschliessen kann, und dass man ihnen dennoch
späterhin, nicht etwa bei einer erneuerten besondern Prüfung, sondern bei einem allgemei-
nen Vergleiche mit anderen Materien, wo sie selbst in untergeordneter Stellung auftretein
öfters und zwar urplötzlich eine neue Seite abgewinnt, welche bisweilen den Zugang zu
ihrer tiefsten Ergründung öffnet. Natürlich musste auch ein langjähriges, der Betrachtung
dieser Gegenstände ausschliesslich gewidmetes Studium mein eignes Urtheil schärfen und
läutern. Dies diem docet. Da mir nun bei meiner Arbeit durchaus nicht die Schonung
oder Herausstellung meiner Persönlichkeit, sondern einzig und allein die Ermittelung der
Wahrheit am Herzen lag, so habe ich jeglichen, mir kund gewordenen Irrthum theils im
Verlaufe des Buches selbst, theils in der Uebersicht des abgehandelten Stoffes und in den
Zusätzen und Berichtigungen angegeben. Gewöhnlich sind in der Uebersicht die unhalt-
baren Ansichten durch die Beiwörter scheinbar und anscheinend bezeichnet worden. Mit
dergleichen Fehlgriffen ist aber das durch den Gang der Untersuchung selbst bedingte
Verfahren nicht zu verwechseln. Ich machte mir nämlich zur Pflicht, nichts durch Vor-
aussetzungen, sondern nur durch Beweise gelten zu lassen. Da nun die Anlage des Bu-
ches es mit sich brachte, dass gewisse Materien Stufenweis, bei erweitertem Gesichts-
Kreise, das ist mit Heranziehung neuer Vergleichungs-Puncte in Betracht gezogen wurden,
so musste auch die Ergründung der Wahrheit Stufenweis vor sich gehen. So habe ich
unter anderen gezeigt, welches genetische Verhältniss für die Semitische Plural-Bildung
aus der Betrachtung derselben an und für sich allein hervorgehe, und welches für sie aus
dem Vergleiche mit der Koptischen Plural-Bildung entspringe. Ich ersuche daher die
Beurtheiler meines Buches so wohl als auch diejenigen, welche aus ihm Belehrung schö-
pfen wollen, dringend, vor dem Angriffe des Einzelnen die Uebersicht des abgehandelten
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