Witting, Felix
Die Anfänge christlicher Architektur: Gedanken über Wesen und Entstehung der christlichen Basilika — Zur Kunstgeschichte des Auslandes, Band 10: Straßburg: Heitz, 1902

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basilica Sicinini, ubi ritus Christiani est conventiculum». Diese basi-
lica Sicinini soll nach Einigen identisch sein mit der später nach
Papst Liberius genannten basilica Liberiana, die künftig in Sa. Maria
Maggiore umgetauft ward, während Konrad Lange allerdings die Gründe
beigebracht zu haben glaubt, dass diese Identifikation unrichtig sei.1
Es muss aber hervorgehoben werden, dass die Nachrichten bei-
spielsweise über die Umwandlung der Basilika des Theophilus, des
Lateranus und des Sicininus erst aus dem Ende des vierten Jahr-
hunderts stammen, aus einer Zeit also, wo der Typus der christlichen
Basilika bereits in bedeutenden Bauten hingestellt war. Die Nachricht
über die antiochenische Basilika des Theophilus verdanken wir, wie
erwähnt, den pseudo-clementinischen Recognitionen, die allerdings auf
das zweite Jahrhundert zurückgehen, uns aber aus einer lateinischen
Uebersetzung des Rufinus vom Ende des vierten Jahrhunderts bekannt
sind, welche das Original romanhaft entstellt hat. Dies scheint sich
auch auf die uns hier berührende Stelle über die «ingens basilica
Theophili» erstreckt zu haben: in dieser zur christlichen Kirche ein-
gerichteten Basilika soll nämlich nach der Rufinischen Bearbeitung
der Recognitionen der Apostel Petrus einen Lehrstuhl errichtet haben.
Ohne Frage ist diese Nachricht mit grosser Vorsicht aufzunehmen.2
Bestimmt aus dem vierten Jahrhundert stammt die Nachricht über
die basilica Laterani, die auf Hieronymus zurückgeht, gleichfalls die-
jenige über die basilica Sicinini. Sie findet sich bei Ammianus Mar-
cellinus, der um 390 schrieb, und hier in dem Zusammenhang eines
Berichtes über ein Gemetzel, das im Jahre 366 in der Licina statt-
fand.3 Sodann ist eine Stimme laut geworden, welche Bauten wie die
basilica Laterani und Licinini nicht als Privatbasiliken, sondern als
von Privatleuten gestiftete öffentliche Basiliken fassen möchte.4 Jeden-
falls erst in das vierte Jahrhundert fallen folgende Umwandlungen von
Privatbasiliken in christliche Kirchen. Erstens die der Basilika des
Junius Bassus zu Rom, welche erst 317 überhaupt errichtet wurde
und erst unter Papst Simplicius (468—83) zur christlichen Kirche ge-
weiht wurde (jetzt gänzlich verschwunden),5 sodann die der basilica
Sessoriana, die erst 33o zu S. Croce in Gerusalemme ward.6
1 a. a. 0.
2 Anderer Ansicht ist Kirsch, die altchristl. Kultusgeb. p. 3, vgl. Lange, Haus u.
Halle, p. 318.
3 Lange, 1. c. S. 3i5.
4 Lange, 1. c.
s Kraus, Gesch. d. ehr. K. I, 316.
6 1. c. S. 320.
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