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BESPRECHUNGEN

Das Personenverzeichnis ist wieder mit großer Sorgfalt angefertigt — das Buch
selbst bereichert unser Wissen in dankenswerter Weise.

Liegnitz. Helmut Wocke.

Chinesische Holzschnitte. In vielen Farben. Bildwahl und Geleitwort von
Emil Preetorius. Insel-Verlag, Leipzig. Insel-Bücherei Nr. 164.
Die 24 Blätter, Abbildungen nach Originalen der Sammlung von Emil Preetorius,
der auch ein anziehendes Nachwort beisteuert, bezeichnen den Umkreis von Themen
und Ausdrucksarten des chinesischen Holzschnitts: wir sehen die Bambusstaude,
Zweige mit Blüten, Äste als Träger von allerlei Getier, Früchte in der Art eines
Stillebens festgehalten. Die in der chinesischen Malerei im Mittelpunkt stehende
Landschaft ist nicht berücksichtigt, weil diese Blätter den anderen künstlerisch weit
unterlegen sind. Auffallend ist die innigste Naturverbundenheit: des Künstlers Seele
schwingt unbewußt im Rhythmus des Kosmos. Wie aus dem unendlichen Grunde
emporgehoben sind die Zweige und Blüten, wie erträumt und doch Wirklichkeit. Die
Umrisse sind nicht scharf, sondern gelöst, verschwimmend in die Fülle des Alls, das
ringsum webt. Nichts von „gewolltem" Tun ist spürbar, das innere Leben spricht
als solches, mit einer Sicherheit ohnegleichen dargestellt in seinem Sein. Wie sind
auch die Zweige in die Bildfläche eingeordnet! Als fühlte man die unsichtbare Kraft,
die sie trägt und von der sie erfüllt sind. Umspült sind sie von einem aus dem ge-
heimnisvollen Ur-Grund aufsteigenden Strömen. Mit den geringsten Mitteln wird
eine zauberhafte „Wirkung" erreicht. Sparsam sind die Farben aufgetragen, in fein-
sten Übergängen und Abstufungen, unendlich zart, wie hingehaucht. Der chinesische
Maler schaut die letzten Verwobenheiten der Gebilde in der Natur, ihr innerstes
Sein leuchtet auf, das Ur-Wesen der Erscheinungen und Geschöpfe, mit der er sich
eins weiß, mit dem er eins ist. Hier waltet kein Zwiespalt zwischen Ich und Du,
zwischen Sinn und Geist, hier lebt der Mensch in der großen Einheit. Und der
Künstler hält sie auf Blättern fest, die jedem, der sich innig in sie versenkt, immer
neue Wunder der Seele und des Alls offenbaren.

Liegnitz. _ Helmut Wocke.

Dantes Neues Leben. Deutsch von Friedrich Freiherrn von Fal-
ken hausen. Insel-Verlag, Leipzig 1942. Insel-Bücherei Nr. 101.
Der bekannte Danteforscher, dem wir bereits eine Übersetzung der Divina Com-
media verdanken, beschert uns nunmehr auch eine Übertragung der Jugenddichtung.
Die Sprache in der deutschen Fassung ist edel, gestrafft und dann wieder gelöster,
von innerem Rhythmus getragen. Eine leicht altertümliche Färbung in Wortwahl
und Satzbau kennzeichnet ihren Charakter und verdeutlicht das Wesen der Zeit, in
der sie entstanden ist. Die Divisionen, trockene, scholastische Einteilungen und Er-
klärungen, die Dante dem Geschmack jener Jahre entsprechend jedem Gedicht bei-
fügte, sind mit Recht nicht in den Text aufgenommen, sie würden die Stimmung be-
einträchtigen und die Einheit des Ganzen stören. Uns sind sie heute entbehrlich. Der
Übersetzer hat sie in den Anhang verwiesen und ihnen hier Bemerkungen beigegeben,
die einzelne dunkle Stellen aufhellen. Das Nachwort bietet eine schöne Deutung, ohne
die Widersprüche der Dichtung zu leugnen. Es verweist auch auf die inneren Zu-
sammenhänge dieses Jugendwerkes mit der Divina Commedia, das sich in der vor-
liegenden, vielfach einer poetischen Eigenschöpfung gleichkommenden Übertragung
in seinem unvergänglichen Zauber neu erschließt.

Liegnitz. Helmut Wocke.

Sehriftwalter: Prof. Dr. Richard M ü 11 e r - F r e i e n f e 1 s, Berlin; für den Anzeigenteil verantwort-
lich: W a 11 h e r T h a s s i 1 o Schmidt-Gabain, Stuttgart. — I. V. W. g. — Verlag von Ferdinand
Enke in Stuttgart. A. Oelschläger'sche Buchdruckerei, Calw. Printed in Germany.
 
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