Chronik der Stadt Heidelberg — 1.1893 (1895)

Seite: 52
Zitierlink: 
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/chronikhd1893/0066
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
52

Am 17. April verstarb zu Straßburg r E. Karl August Woll,
der bekannte pfälzische Dichter, kein Heidelberger von Geburt und
nicht hier wohnhast, aber ein warmer Freund Heidelbergs, das er
mit seinen prächtigen, humoristischen Gedichten bedachle, weshalb sein
Heimgang an dieser Stelle erwähnt sei.

Am 2. Juni schied Frau Viktoria Gervinus, geb. Schelver
aus dem Leben, die Witwe des berühmten Geschichtsschreibers und
großm Patrioten Georg Gotisried Gervinus, der ihr schon 1871 im
Tode vorangegangen wari sie war von einer hingebenden Liebe
zur Musik durchdrungen und war besonderS thätig in der Verbreitung
von Werken Händels, wobei sie keine Opser schente.

Einen ihrer Ehrenbürger oerlor die Stadt in dem Generalmajor
z. D. Arthur von Horn, der am 6. Juni im Alter von 74 Iahren
starb. Als Kommandeur des Landwehrbezirks Heidelberg 1875—85
erwarb er sich allgemeine Beliebtheit und erhielt während des Uni-
versitäts-JubiläumS 1886 den Eharaktcr als Generalmajor; in der
mannigsaltigsren Weise hilireich und thäiig als Lorstand dcs Männer-
hilssvereins, Mitglied der evangelischen Kirchengemeindeversammlung
und der Bibliorhekskommission des Museums, war er in allen Schich-
len der Bevolkerung hochgeachtel, indem er in seltener Weise die
Tugenden des guten Soldaten und Bürgers mit den Vorzügen eines
seingebildeten Mannes in sich vereinigte. Die Leiche des Verewigten
wurde in seierlichem Zuge zur Bahn gebracht, um nach seinem Ge-
burtSort, Neu-Ruppin in Brandenburg, verbracht zu werdcn.

Schon am solgenden Tage tras ein anderer schwerer Verlust
unsere Stadt, das hiesige Gpmnasium, aber nicht minder die deutsche
Wisienschafl, indem Or. pbil. und l-beol. Karl Hartselder am
7. Juni im Alter von kaum 45 Jahren mitlen aus seiner segens-
reichen Bahn gerissen wurde. Früher a»i Gyiniiasium in Freiburg,
dann am GenerallandeSarchiv in Karlsruhe thätig, gehörte er seil
1882 dem hiesigcn Gymnasium hauptsächlich als Lehrer der Geschichle
an; daneben sand er Zeit und Krast zu verschiedenen wissenschaft-
lichen Werken, unter denen besonders hervorzuheben sind: „Zur Ge-
schichte deS Bauernkrieges in Südwestdeutschland" 1884 und „Philipp
Melanchthon als ?raecsptor 6erwaniao" 186Ü: in Anerkennung des
loading ...