Chronik der Stadt Heidelberg — 9.1901 (1902)

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besonders schönen Stelle deS Molkenkurhügcls ein LandhouS erbaut
hatte. Eine prächtige Begräbnissiätte, die er sich »nb sciner Frau
aus dcni Friedhos errichtet, hat nun ih» und ieine ilnn vor kurzcn,
vorangegangene Gattin zur letztcn Ruhe niisgeiwiiiine,,.

Ihm solgte am 12. Januar RechtSanwalt Augusr Waguer,
der ein Alter von 65 Jahrc» erreichtc. Er war init Heidclberg und
der Pfalz verwachsen; nachdem er einige Zeit StaatSanwalt gcwcscn
mar, hatte er den öfsentlichen Dienst verlassc» und ivar dann hier
lange Jahre hindurch als Rechtsanwalt tätig. Ei» Irennd dcr Ge-
schichte »nd der Natur Heidelbergs, hatte er auch öster seine Stuvicn
der Vergangenheit der Psnlz zugewcndct, wie er auch init besaiidcrer
Teilnahme die Entstehnng dcs hieftgen Odenwaldklubs begrüsjte, dessen
Vorsitzender er einige Zeit hindurch gcwese» ist. Ii» polilischen Lcben
stand er iminer aus liberaler und nationaler Seite.

Jn der Nacht vom 9. auf 10. Iebruar starb iin Aller von über
70 Jahren nach längerem Leiden Profeisor Tr. E r n st P naenstecher.
Dcr Verblichene gehörie vo» 1851—!87l der hicsigen Ilniversila!
zuerst als Privatdozent, daini scit 1860 als anßerordenilicher Pro
seflor der Rechtswiisenschast an. Jin Jahre 1871 gab cr sein Amt
auf und lebte seitdem hier als Privalmann. Jn schwierigen Zeiten
leitcte er eine Zeit lang die Geschäfle der Nüiseniiisgesellschaft als
einer ihrer Tircktoren: sonst nahm er am öffentlichen Leben wenig
Anteil, doch war er 1866 einer dcr wenigen iNänner i» Heidelberg,
dic Bismarcks (ffrösie erkanntcn nnd stch mit allcr Entschiedcnhcit anf
PreußenS Seite stcllte». Mit besonderer Vorliebe pflegte er das
Schachspiel und war einer der Begründer und Leiler des hiesigen
Schachklubs, der ihn später zu seinem Ehrenvorsitzenden ernaniite.

Wenn der Tod Ernst PagenstecherS die Universität kaum noch
berührte, so tras sie ui» so tiefcr der Verlusi Ber » hard Erdm anns-
dörffers, der ihr nnd seiner Zamilie am 1. März plötzlich nnd »ntten
aus der vollen Tätigkeit dcs Lebcns und Lehrens entrisien wnrde.
Er hatte der hiesigen tzochschule, an die er als tzeinrich Treirschkcs
Nachsolger 1874 berufen worden war, über ein Vierteljahrhundert
angehört. Als ein sertiger Äleister mar er zn ihr gekoininen, der
seine Wanderzeit hintcr lich hatte. Am 24. Januar 1833 zn Alten-
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