Paul Petau – digital
Das Projekt „Paul Petau – digital“ präsentiert erstmals umfassend die Sammeltätigkeit des französischen Juristen Paul Petau (1568-1614). Petau, Berater des Pariser Parlaments, Gelehrter und Sammler, trug im Laufe seines Lebens – neben einer bemerkenswerten Bibliothek – rund 420 antike Objekte und mittelalterliche Münzen zusammen. Auch wenn der Umfang seiner Sammlung vergleichsweise überschaubar blieb, markiert der von Petau ab 1609/10 publizierte, illustrierte Katalog seiner Schätze einen Wendepunkt in der Geschichte der antiquarischen Kultur und des Sammelns insgesamt: Es handelt sich um den ersten in Frankreich gedruckten illustrierten Katalog einer Antikensammlung und um den frühesten illustrierten Katalog mittelalterlicher Münzen überhaupt. Diese wegweisende Publikation wird hier in einer digitalen, kommentierten Edition erschlossen, die zugleich alle heute noch nachweisbaren Objekte aus dem Besitz Petaus verzeichnet.
Petaus Katalog entstand sukzessive über einen Zeitraum von knapp einem Jahrzehnt (1609/10–1618). Er besteht aus zwei Teilen, den Antiquariae Supellectilis Portiuncula, einer Zusammenstellung kleiner, vor allem antiker Objekte, und dem Veterum Nummorum Gnōrisma, einer Sammlung römischer und frühmittelalterlicher Münzen. Sämtliche Tafelseiten einschließlich der Titelblätter sind gestochen. Bei den Objektabbildungen sind in der Regel der Besitzer und teils kurze Bildunterschriften vermerkt; daneben finden sich nur wenige zusätzliche Anmerkungen. Die Abbildungen stellen dabei in mehrfacher Hinsicht Neuerungen innerhalb der Geschichte antiquarischer Illustrationen dar: So gibt es etwa Ergänzungsvorschläge für fragmentierte Objekte, aber auch ganze Fundkomplexe werden erstmals im gedruckten Bild dokumentiert.
Neben antiquarischen Objekten erwarb Petau eine von Zeitgenossen und Nachfahren mindestens ebenso sehr bewunderte Bibliothek seltener Manuskripte und Bücher. Das Projekt bietet eine virtuelle Rekonstruktion der umfangreichen Handschriftensammlung. Dank mehrerer Inventare und der von Petau selbst auf den Manuskripten hinterlassenen Notizen (Regalzeichen, Signaturen, Anmerkungen) ist es möglich, Bände aus seiner Sammlung zu identifizieren, die heute über ganz Europa verstreut sind. Denn nach Petaus Tod hatte sein Sohn die kostbare Bibliothek veräußert; so gelangte etwa ein Teil später in den Besitz der Königin Christina von Schweden.
Das Projekt bietet zudem eine wesentlich erweiterte Biographie Paul Petaus, ergänzt durch zusätzliche Quellenmaterialien sowie ein Verzeichnis der bisherigen Forschungsliteratur. Erst diese breitere Kontextualisierung erlaubt, Petaus antiquarische Interessen und Vorgehensweisen im Hinblick auf zeittypische, persönliche und möglicherweise auch politische Absichten einzuordnen.
Ermöglicht hat das Projekt im Zeitraum September 2023–August 2026 die großzügige Förderung der Fritz Thyssen Stiftung Köln. Realisiert wurde es am Zentralinstitut für Kunstgeschichte München. Für die Unterstützung im Bereich digitaler Infrastruktur und Editionswerkzeuge danken wir der Universitätsbibliothek Heidelberg.