Allgemeine theologische Bibliothek — 1.1774 [VD18 90309928]

Seite: 105
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Kann ein Lehrer mit gutem Gewissen rc. iv;
Wir würden z. E. gegen die erste dem Herrn
Verfasser den Einwurf machen, daß ja doch diese
Vorsicht des historischen Vortrags gar selten die
gesuchte Absicht erreichen werde, indem nichts ge-
wisser ist, als daß jeder Lehrer, der bcy einem dog-
matischen Satze seine eigene Meynung hat, die
Vorstellungsart der übrigen Lehrer mit ihren Be-
weisen, immer in einer gewissen Blösse lassen und
hingegen die seinige in so voller Klarheit und mit
der möglichsten Kraft der Beweise vortragen wird,
daß der größte Theil der Zuhörer doch wohl znrAn-
nehmung der scinigen dcterminirt werden dürfte.
Und was die zweyte anbelangt, so würden
wir den Predigern doch lieber den bessern Rath ge-
ben: „findest du einen Lehrsatz in dem herrschenden
„System, der deiner redlichen Ucberzeugung nach
„dem thätigen Chri'stenthume schädlich und hinder-
lich ist, z.E. die: der Mensch ist von Natur ganz
„untüchtig zum Guten —- alles Bestreben nach
„Tugend und edlen Thaken ist in Gottes Augen
„Koth und Unflat: nichts kann uns ihm gefällig
„machen als die Ergreifung des Verdienstes Christi
„u. d. nu so suche mit äußerster Sorgfalt solche
„Lehrsätze zu verschweigen und gieb Lm Gcgcnthcil
„deinen Ermahnungen zur Gottseligkeit eine solche
„Stellung, dadurch sie ganz mit jenen Sätzen aus
„dem Nexus kommen, oder dadurch der Zuhörer
„stillschweigend von ihnen entwöhnt, oder zurich-
„tigern Vorstcllungsarten geleitet wird,,,
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