Allgemeine theologische Bibliothek — 1.1774 [VD18 90309928]

Page: 167
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/allgemeine_theologische_bibliothek1774/0187
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
An Herrn Lavater. 167
gleich Klagen über Gott genennt werden müßten?
Kat Sie Gott nicht gut genug gemacht? Wollen
Sie noch höhere Grade der moralischen Güte, dieei-
gentlich nur jenem Leben aufbehalten sind?
„Nein!,, werden Sie sagen, „ich sehne
„mich nur nach dem Grade, der hienieden möglich
ist.,, Gut. Den will icd Ihnen beschreiben.
Die Vollkommenheit, die hienieden möglich ist, be-
steht in zwey Stücken, i) In einem anhalten-
den ( obgleich in Ansehung des Selbstgefühle nicht
immer gleichen) redlichen, das heißt,theils mei-
nen Kräften (die aber nicht in allen Augenblicken
des Lebens in gleicher Spannung sind) thcils de-
nen (vonGott meist willkührlich verhängten) Ge-
legenheiten und Veranlassungen entsprechendem
Eifer und Bestreben, Gottes Willen zu thun,
das heißt, meine und meiner Ncbenmenschen wahre
Glückseligkeit zu befördern, und was diese stöhrt
oder vernichtet, so viel in meiner Gewalt ist, zu ver-
meiden, folglich nie voHelMh etwas zu dieser
Pflicht gehöriges zu unterlassen, oder etwas ihr zu-
widerlaufendes, vorsttzlich zu vollbringen. Die-
ser redliche Eifer (der tausendmal nur bey dem
guten Willen bleibt, weil Kraft und Gelegenheit
fehlt) setzt Sie und jeden frommen Christen 2- in
jene Gemeinschaft und Verbindung mit Icsu.
Christo, die Ihnen allererst Ihren vollkommnen
Werth in Gottes Augen erthcilt; welche macht,
daß Gstt Ihren guten Willen für die That annimmt,
loading ...