Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 40.1915

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MAX OHNEFALSCH-RICHTER

vieler Viergespanne aus dem Heiligtum von Frangissa wurde
1885 auf einer photographischen Aufnahme vereinigt. Auch
dieses Bild wird in 'Tamassos und Idalion’ veröffentlicht
werden. Hier sei zum Vergleich auf Abb. 1,2, besser als es
bisher geschehen ist, noch die Terracottagruppe eines Vier-
gespanns aus Marathus (Amrith) in Phoenikien wiederholt,
über welche zuletzt Studniczka (Arch. Jahrb. 1907,169 Abb.17)
ausführlich gehandelt hat. Auf seine Beschreibung verweise
ich hier. Die neuen Photographien sind für mich im Louvre
von der Pariser Bibliotheque nationale scientifique et artisti-
que unentgeltlich hergestellt worden. Die merkwürdige Ver-
wandtschaft zwischen dieser in Phönikien gefundenen Gruppe
und unserer kyprischen springt weit mehr in die Augen»
als der Unterschied zwischen beiden. Das Viergespann von
Amrith trug jedoch vier Männer, von denen zwei fehlen.
In denselben Kreis gehört der ebenfalls mit vier Krie-
gern bemannte thönerne Streitwagen der Pariser National-
Bibliothek, welchen F. Poulsen (Der Orient und die früh-
griechische Kunst 61, Abb. 60/61) veröffentlicht hat. Die Krie-
ger aller drei Viergespanne tragen die konischen Helme mit
Nackenschirm altassyrisch-hethitischen Ursprungs, die Pferde
dieselben oder ähnliche assyrische Troddeln. Die Köpfe der
Krieger auf allen drei Wagen sind in demselben oder doch
einem sehr ähnlichen, eng verwandten Stile gearbeitet, ebenso
die Pferde und überhaupt die ganzen Gruppen.
Dass unser Wagen ebenso wie die vielen anderen Terra-
cotten auf Kypros gearbeitet ist, wird wohl niemand bezwei-
feln. Dagegen fragt es sich, ob der bisher in Phoenikien ganz
vereinzelte Wagen von Marathus nicht auch schon im Alter-
tum aus Kypros nach Phoenikien gebracht worden ist. Den
angeblich specifisch phoenikisehen Thon als entscheidenden
oder alleinigen Grund für die phoenikische Provenienz anzu-
führen, wie es vielfach geschehen ist, scheint mir nicht be-
rechtigt. Ich neige vielmehr zu der Ansicht, dass der Wagen
aus Marathus im Louvre, sowie der vierspännige Streit- oder
Transportwagen der Pariser National-Bibliothek und der
zweispännige Prozessionswagen daselbst (Poulsen 62, Abb. 62.
63) auf Kypros fabriziert wurden.
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