Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 40.1915

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NACHTRAG ZUM SILBERRHYTON VON MYKENAI.

Sofort nach der Zusammensetzung des oben Seite 45
behandelten Gefässes hatte ich meine Bemerkungen darüber
rasch publiciert, in der Annahme, dass das verspätete Heft
der Athenischen Mitteilungen, trotz allen aus dem Kriege
erwachsenen Schwierigkeiten, noch im Jahre 1915 erschei-
nen würde. Da aber seine Ausgabe sich verzögert hat, scheint
es mir geboten, wenige Zeilen hinzuzufügen, zur Verbesse-
rung einiger Versehen, die bei unserer vorläufigen Unter-
suchung- des Gefässes mit untergelaufen sind.
Zunächst haben die genauen Messungen und Berechnun-
gen des Malers E. Gillieron junior, der das Gefäss im Auf-
träge und für eine Publicatiou von Sir Arthur Evans ge-
zeichnet hat, ergeben, dass die Form des Rhyton nicht genau
unserer Tafel VIII entspricht, sondern länger und gerad-
wandig ist, der gewöhnlichen Gestalt des Trichters entspre-
chend, wie sie auf Kreta und sonst in Stein und Thon so
häufig erscheint.
Ferner hängt Reichels Fragment d (das jüngst durch
ein anpassendes Bruchstück um den Oberkörper eines der
Angreifer vervollständigt worden ist) nicht, wie wir mein-
ten, unmittelbar mit dem grösseren Stücke darüber zusam-
men, sondern muss ein wenig mehr nach links gerückt wer-
den. Es schiebt sich die Gestalt eines der Verteidiger dazwi-
schen, von dem nur ein Schenkel erhalten ist.
Endlich möchte ich erwähnen, dass Herr Gillieron au
der Spitze des Gefässes ein Band der Gebilde wahrgenommen
hat, die in der kretisch-mykenischen Ornamentik Corallen-
riffe genannt zu werden pflegen (z. B. Tsuntas, ’Ecpr|p. doyaioÄ.
1888 Taf. VII I).

Athen, im März 1916.

Valerios Stai's.
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