Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 40.1915

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MAX OHNEFALSCH-RICHTER

diese Brustplatte ist wie die vielen anderen erhaltenen kypri-
sches Fabricat. Sie stammen aus den frühen graecophoeniki-
schen Fundschichten, in welchen die Hauptmasse aller Fibeln
auftritt *. Damit wird der altsyrische wie der alt-kappadoki-

1 Myres und ich zählen (Cypr. Mus. Cat. 34) die für die älteren kypri-
schen Fibelschichten charakteristischen Goldfunde auf, geben zugleich eine
Liste der bis zum Jahre 1899 bekannten, Kypros eigentümlichen goldenen
Brustplatten und verweisen dabei auf eine noch unpublicierte, in Idalion
entdeckte. Diese soll in meinem Werk Tamassos und Idalion veröffentlicht
werden, ebenso die 1889 und 1894 an diesen Stätten gefundenen Fibeln.
Die ersten Fibeln beginnen auf Kypros vereinzelt in kypro-minoischen
Gräbern zu erscheinen. Meist sind sie aus Gold, selten aus Bronze. In den
Gräbern der ersten Jahrhunderte der graecophoenikischen Zeit, von 1000-
700, werden sie immer zahlreicher, sind fast alle aus Bronze, nur zwei aus
Silber. Im VII. Jahrhundert werden sie allmählich wieder seltener, und die
letzten Exemplare erscheinen nur noch ganz vereinzelt in der ersten Hälfte
des VI. Jahrhunderts, als der attische Einfluss gesteigert war. Dann ver-
schwinden die Fibeln ganz aus den kyprischen Gräbern. Die Gewänder
werden nunmehr durch Knöpfe geschlossen, die man bei den Skeletten
findet (vgl. Cypr. Mus. Cat. S. 24). 1883 habe ich in einem sehr alten graeco-
phoenikischen Grabe von Kurion drei bronzene Bogen-Knopffibeln zusam-
men mit Agalmatolithperleu und Siegeln und den thönernen Nachbildun-
gen bronzener Kessel und bronzener Dreifiisse ausgegraben (Dussaud,
Les Civilisations prehelleniques 2. Aufl. Paris 1914 S. 276 Fig. 200 u. S. 283
Fig. 204). Als ich diesen Fund im Cyprus Museum Öümmler gezeigt hatte,
schrieb F. Studniczka in seinem mit Dümmler verfassten Aufsatze ‘Zur
Herkunft der mykenischen Kultur’ (AM. XII 1887, 19), ich hätte diese
Fibeln von Kurion in den ‘ältesten griechischen Gräbern’ gefunden. Sie
seien den ältesten hellenischen Einwanderern auf Kypros, den Arkadern
zuzuschreiben. Jedoch darf man diese Gräber ebensowenig wie viele andere
auf Kypros den Griechen oder Phoenikiern allein zuweisen, sondern der
aus griechischen und phoenikischen Elementen zusammengesetzten Misch-
bevölkerung. Deshalb sind auch die von Studniczka in seiner Abhandlung
über den Rennwagen umgekehrt als phoenikisch publicierten kyprischen
Wagen und Wagengespanne graecophoenikisch. Dies erwiesen, müssen auch
viele andere, von Studniczka und Poulsen als rein phoenikische Werke hin-
gestellte Stücke als graecophoenikisch bezeichnet werden; und die Wagen-
denkmäler ‘graecophoenikischen Charakters’, bei denen der Fundort unbe-
kannt ist, dürften meines Erachtens in Kypros, offenbar dem Hauptfabri-
cationscentrum dieser vielen eigenartigen Wagen- und Gespanndarstellun-
gen aller Art, hergestellt worden sein, nicht aber in Syrien, oder speciell in
Phoenikien. Es scheint mir nicht ausschlaggebend zu sein, bei den Terra-
cotten die Qualität und das Aussehen des Thones hauptsächlich oder aus-
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