Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 40.1915

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P. WOLTERS

ist schliesslich vor allem nicht in polygonaler Technik er-
baut, sondern in kyklopischer.
Wo liegt nun die Ruine, die Cyriacus für Mykene hielt?
Er hat am Ostertag, 24 März 1448, von Nauplia aus die
argivische Ebene durchwandert und zunächst einige Marmor-
reliefs entdeckt, deren Ursprung er sofort auf das Heraion
und Polyklet zurückführt: man kann mit Händen greifen,
wie er aus seinem kürzlich erworbenen Strabon 1 gelernt hat.
Diese Reliefs befanden sich nach seiner genaueren Äusse-
rung f. IIS 'Argivo in campo ad sacram b. Virginis aedem’,
das ist, wie sich aus seinen Zeichnungen beweisen lässt, die
schöne Panagia-Kirche in Merbaka. Über diese hat A. Struck
eingehend gehandelt (AM. XXXIV 1909, 201) und als Er-
bauungszeit ungefähr das Jahr 1140 ermittelt, dabei auch der
sparsamen und überlegten Ausschmückung des Baues mit
antiken Skulpturen gedacht, und die einzelnen. Stücke auf-
geführt (S. 208, ein Verzeichnis der in den Sockel verbauten
Inschriftsteine S. 204, 2). Für uns kommen hier nur die drei
von Cyriacus gezeichneten Reliefs (oben S. 92) in Betracht2,

als lichte Weite fler Türöffnung unten I, 38, und als Breite mit Einrechnung
der Pfosten 2,41 m, so dass der Türstur/, kaum mehr als 2,5 m lang wäre,
also rund 8 Fuss.
1 Vgl. Sabbadini S. 208, 2. Strabon 8, 6, 10 (p. 372): öuo ixdiiEic jiktpHOv
ai.i.ip.oiv lÖQmtEvac ev EAuxxoatv i) jtEvxr'ixovx« oraftioic, xd te "Aoyog xai xüc
AIuxr'|vag, xai xo 'IIpaTov slvai xoivbv Ieoov tö .xqbc rate Muxfjvuic dprpoiv,
ev (Ti xä 11o7.ux/.ei.xou |oavu xfj pev xeyyW xdWuoxa xruv Jtavxcov, jioAuxe-
le(a de xai pEye0£i xwv <J>eiö(ou Asutöpsva. Hieraus schöpfte sicher Cyriacus
seine sehr allgemeine Kenntnis der ‘insignia Polycleti opera’ und den wun-
derlichen Ausdruck ‘Argivae Mycenaeaeque lunonis delubrum ’. Das we-
der für das Heraion, noch für Mykene Pausanias herangezogen ist, darf
als sicher gelten.
2 Also sei nur nebenbei bemerkt, dass das kleine, von der Expedition
de Moreeil Taf. 61,2 (= Ph. Le Bas, Monuments d’antiquite figuree rec.
en Grece par la comm. de Moree, 2. Cahier S. 83) abgebildete und für den
Tempelfries des Apollon Deiradiotes in Anspruch genommene Relief später
weder von Struck, noch, soviel ich sehe, von irgendwem genannt wird.
Denn es ist ein offenbares Versehen, wenn Milchhöfer (AM. IV 1879, 1 58,
9) diese Abbildung zu dem von ihm verzeichneteu Relief IG. IV 641 an-
führt. Nur *Ico. Kocpivio)xr)i; wiederholt die Abbildung in seiner 'Irrxooia xoü
"Apyou? (Athen 1892) zu S. 114, 6, offenbar ohne Kenntnis des Originals.
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