Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 40.1915

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G. KARO

Es ist bekannt, dass bisher, mit alleiniger Ausnahme
von Korinthim Peloponnes keine neolithischen Funde ge-
macht worden sind; die älteste uns bekannte Keramik der
Argolis ist die in den tiefsten Schichten von Tirvns so reich-
lich vertretene ‘Urfirnis’-Ware, deren Verhältnis zu der älte-
ren, neolithischen Keramik durch die Schichtengrabungen
von Orchomenos, Lianokladi, und jetzt auch von Korinth,
fest bestimmt ist Es mag auch in der Argolis neolithische
Stätten geben, die wir nur noch nicht kennen. Ich halte das
sogar für sehr wahrscheinlich. Jedesfalls aber bietet
Tiryns nichts Älteres als voll entwickelte Urfir-
nis -Ware.
Während der langen Herrschaft der Urfirnis-Keramik
treten nun in Tiryns mehrere andere Gattungen auf: zunächst
altertümliche schwarze Vasen mit polierter Oberfläche, hier-
auf, in etwas späterer Zeit, eine gelbe und (seltener und jünger)
eine glänzend rote polierte Ware. Mit letzteren zusammen
erscheinen nur noch wenige Urfirnis-Vasen, dafür aber in be-
trächtlicher Zahl die schwarzgrauen 'minyschen’1 2 3 und meh-
rere Spielarten von matt bemalten Gefässen. Diese letzteren
zeigen, im Gegensatz zur Technik des Urfirnisses, matte
braune, rote und gelegentlich auch weisse Muster auf grün-
lichem oder bräunlichem Grunde. In den Schichten, wo sol-
che matt bemalte Ware häufig wird, finden sich nur noch
versprengte Urfirnis-Vasen, während anderseits mit der matt
bemalten zusammen die ersten Proben der schönen altmyke-
nischen Firnis-Keramik auftreten.
Es ist das Verdienst von Kurt Müller, zum ersten Male
scharf und klar die Unterschiede zwischen dieser Keramik
des Festlandes und der echt kretischen spätminoischen (SM. I)

1 Die neuen amerikanischen Ausgrabungen bei Korinth versprechen
für die ganze Prähistorie von Griechenland die wichtigsten Ergebnisse.
Ich verdanke Hills, Miss Walkers und Biegens Güte Einblick in ihr ge-
samtes Scherbenmaterial. [Vgl. Wace-Blegen, BSA. XXII 176].
2 Zusammen fassend Ware-Thompson, Prehistoric Thessaly 177 ff. 194.
224 ff. 236 ff.
8 Über diese zuletzt Forsdvke, JHS. XXXIV 1914, 126; Gordon Childe,
ebenda XXXV 1915, 196.
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