Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 40.1915

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DIE .SCHACHTGRÄBER VON MYKENAI 145
auf echt indischen Gefässen 1 scheinen nur bei oberflächlicher
Betrachtung den mykenischen zu gleichen, unterscheiden sich
in Wahrheit ganz wesentlich durch den voll schwarzen, runden
Leib und die sehr viel naturgetreuere Zeichnung von Hals und
Kopf. Wohl aber findet sich unter den Vasen von Phylakopi
in Athen eine den mykenischen durchaus verwandte Kanne2,
und einige ähnliche Scherben haben wir in Tiryns ausgegra-
ben. Woher diese Gattung stammt, lässt sich vorläufig nicht
sagen. Zu ihrer Datierung hat man die oben erwähnte Schna-
belkanne aus Knossos herangezogen, die aus den 'Temple
Repositories’, also aus dem Ende der mittelminoischen Periode
stammt. Aber die Unterschiede in Technik, Form und Stil rau-
ben diesem Vergleich seine Beweiskraft. Zu unseren Kannen
gehört auch, nach seinem roten Thon und der matten weinro-
ten und weissen Malerei, der eigenartige bauchige Topf V 858
(M. Th. VII 39), dessen plumpe Form, geringe Technik und
primitives Ornament besonders altertümlich anmuten.
Den Schnabelkannen verwandt erscheint auch das
grosse zweihenklige Vorratsgefäss VI 948 (M. Th. VIII 43).
Vgl. dazu die oben S. 143 erwähnten Exemplare derselben
Form, vor allem die indischen; diese zeigen auch dieselbe
Beschränkung des Ornaments auf ein Schulterbild jederseits;
und zu den höchst roh und ungeschickt dargestellten Grei-
fen unseres Gefässes bieten die scheusslichen Missgeburten
auf einigen Vasen von Phylakopi die nächsten Parallelen
(Excav. at Phyl. 112, Taf. XIV). Es sind Nachbildungen wohl
minoischer Fabelwesen, von sehr ungeübter Hand. Singulär
aber ist die Technik der mykenischen Vase, deren Greifen in
braunen Umrissen mit weisser Füllung und weisser Innen-

1 Z. B. Excav. at Phylakopi II8 ff. Taf. XXI und die wohl aus Melos
importierte grosse Schnabelkanne von Knossos, BSA. IX 50, die wesentlich
schlanker als unsere mykenischen ist.
2 Nat. Mus. Nr. 5780. Auch die Vögel sind hier den unseren ganz
gleich. Die alte Form der Schnabelkanne lebt übrigens auf Melos noch
in spätminoischer Zeit fort, ja sogar auf Kreta. Vgl. die schöne Kanne mit
Seelandschaft, Excav. at Phylakopi Taf. XXXI I (besser JHS. XXIV 1904,
Taf. 12), und die melischen, kretischen Mustern nachgebildeten, ebenda
126 f. Taf. XXIII; BSA. XVII Taf. 3.

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