Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 40.1915

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DIE SCHACHTGRÄBER VON MYKENAI 147
ders aus dem Osten der Insel1 2, ganz schlagende Parallelen.
Sie stammen allesamt aus der I. spätminoischen Periode. Echt
minoische Gefässe gehören unter den festländischen Funden
ja überhaupt zu den grössten Seltenheiten.
IX. Betrachten wir zunächst locale Nachahmungen: Die
kleine Amphora VI 956 (M. Th. XI 55) ist augenfällig einem
minoischen Gefässe nachgebildet. Das lehrt schon die cha-
rakteristisch mittelminoische Form mit ganz kurzem Hals,
doppeltem Ausguss und kleinen Stabhenkeln (vgl. oben S.141).
Und ebenso erinnern die roten und weissen Bänder an Hals
und Leib, sowie das senkrechte Wellenmuster auf der Schul-
ter--‘ripple Ornament’ nennen es die englischen Archäolo-
gen - schlagend an kretische Vorbilder-, Aber weder der un-
förmlich bauchige, unten wenig verjüngte Leib, noch die
hässlich nachlässige Bemalung lassen sich auf echt minoi-
schen Exemplaren belegen. Unsere Amphora stellt einen frü-
hen Nachahmungsversuch einheimischer Keramik dar.
In viel interessanterer Weise äussert sich minoischer
Einfluss in der Tasse I 197 (M. Th. III 12). Eine schon in
mittelminoischer Zeit übliche Form ist hier von einem loca-
len Töpfer nachgeahmt, der freilich mit seinen primitiven
Mitteln, ohne Drehscheibe, weder die wunderbare Feinheit
der kretischen ‘Eierschalen-Ware’, noch die Sicherheit ihrer
Profilierung erreicht. Und wie kläglich nimmt sich die Male-
rei mit ihrem geringen bräunlichen Firnis und dem leblosen
Stil neben echt minoischen Werken aus! Das Streumuster
(offenbar stilisierte kleine Blüten) auf der Aussenseite er-
scheint schon häufig auf mittelminoischen Vasen3, die Nau-
tili der Innenseite und die runden Gebilde zwischen ihnen
1 Genau entsprechende Stücke z. B. Boyd - Ha wes, Gournia Tat. VII
38. 39; Antiqu. cret. 139. Melische Nachahmungen, Excav. at Phylak. 135.
2 Vgl. z. B. BSA. 1X50, aus den ‘Temple Repositories’ von Knossos.
Zum Ornament Mackenzie, JHS. XXIII 1903, 160; er verfolgt es bis in die
neolitliische Keramik hinauf.
s Z. B. JHS. XXIII 1903, Taf. 6. XXVI 1906Taf. 8 und sonst oft. Gute
spätminoische Beispiele Atiier. Journ. Arch. 1909, Taf. 7 (SM. I) und JHS.
XXIV 1904, Taf. 11. 12 (SM. II), mit ausgesparten, sozusagen rotfigurig
gemalten Blüten, offenbar eine Reminiscenz der Kamares-Teehnik.
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