Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 40.1915

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G. KARO

Taf. IV 10) und Leukas (Dörpfeld, IV. Brief 10) Paralle-
len bieten; dann das Schwert VI 928, das schon Hubert
Schmidt (Praehistor. Zeitschrift IV 1912, 35) mit nordischen
sog. Dolchstäben verglichen hat. Die breite kurze Klinge
und am Hefte die Reihe von Nägeln mit ihren kegelförmi-
gen Goldköpfen unterscheiden dieses Schwert von allen an-
deren minoisch-mykenischen Waffen. Aber dennoch ist seine
Technik, sowohl in der Schmiedearbeit der Klinge wie in
der Goldplattierung der Nagelköpfe, durchaus die normale.
Auch hier wird einmal ein minoisclier, in Mykenai ansässi-
ger Schwertfeger — oder sein einheimischer Schüler—eine
Waffe fremder Art verfertigt haben, auf Bestellung eines my-
kenischen Herrn natürlich.
Ähnliche pilzförmige Köpfe erscheinen auch au zwei
Dolchen (Grab II 217. VI 927), die in ihrer Form entschie-
den altertümlicher sind als die übrigen Dolche der Schacht-
gräber. Indessen finden sich solche breite blattförmige Klin-
gen auch auf Kreta, und zwar seit frühminoischer Zeit (Ex-
plor. in Moclilos Fig. 44; Mosso, La Preistoria II 236; diese
haben alle flache Nagelköpfe).
So wird man zögern, auch hier nordischen Einfluss zu
erkennen; ein solcher ist ja überhaupt nur in ganz beschränk-
tem Maasse nachweisbar, wie die eben angeführten seltenen
Fälle beweisen.
VI. ALABASTER, FAYENCE, STRAUSSENEIER, ELFENBEIN.
Die Steingefässe der Schachtgräber bilden eine kleine
geschlossene Gruppe, sowohl nach dem Material wie nach
der Arbeit und dem Stil. Sie bestehen samt und sonders aus
kretischem Alabaster und sind technisch den auf Kreta ge-
fundenen Vasen aus dem gleichen Material so eng verwandt,
dass man sie gewiss als Import von dort ansehen darf. Eine
halbkugelige Schale (III 165), sehr schwer und dickwandig,
gehört durchaus zu den kleinen Votivgefässen, die seit früh-
minoischer Zeit auf Kreta üblich waren. Der merkwürdige
Löffel in Form zweier geöffneter Hände (II1164. Schliem. 242,
Abb. 325) findet seine Analogien wiederum auf Kreta, wenn
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