Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 40.1915

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G. KARO

Ende durchbohrt, wie bei den Rhyta. Als solches wird auch
dieses Gefäss gedient haben, ebenso wie einige auf Kreta
gefundene Nachbildungen von Tritonmuscheln, unter denen
ein prachtvolles Exemplar aus Liparit hervorragt (aus Ha-
gia Triada, Mosso, Preistoria II 286 f.; vgl. Ant. cret. I 39, 4;
Mon. ant. XIV 556). Aus Fayence kenne ich kein anderes
Stück dieser Art. — Genau wie die heutigen Hirten auf den
kretischen Bergen, oder die Tritonen klassischer Darstellun-
gen, scheinen die minoischen Priester sich der Tritonmuschel
als Horn bedient zu haben, wie eine Gemme aus der Zeus-
grotte auf dem Ida lehrt (vgl. Evans, JHS. XXI 1901,142;
Karo, Archiv f. Religionswiss. VII 137). Diese Verwendung
im Culte erklärt auch das häufige Vorkommen solcher Mu-
scheln in minoischen Gräbern und Heiligtümern.
Eine wunderlich geformte Kanne ist leider nur in Frag-
menten erhalten (III 167; Taf. XVII 2). Der Hals trägt eine
doppelte tellerförmige Mündung, wie sie ähnlich, wenn auch
nur ganz selten, in der gleichzeitigen minoischen Keramik
erscheint1. Der Zweck dieser barocken, unschönen Verdop-
pelung ist offenbar, den beim Ausgiessen abtropfenden Wein
aufzufangen. Bei unserer Fayencekanne ist der Hals in zwei
Stücken und der obere Mündungsteller gesondert gearbeitet.
Dann wurden, wie Löcher in den Rändern zeigen, die einzel-
nen Teile durch Stifte verbunden und jedesfalls verkittet. Sehr
solid und gebrauchsfähig kann ein solches Gefäss nie gewe-
sen sein. Dass es aber wertvoll war, beweist der nach einem
Bruch geflickte Hals unserer Kanne — zugleich auch ein An-
zeichen dafür, dass sie aus dem Auslande stammte. Vom
Leibe sind nur einige Fragmente erhalten, genug um zu zei-
gen, dass er sehr klein war im Verhältnis zu dem übergros-
sen Halse mit seiner schweren Doppelmündung. Zwei plasti-
sche Brüste2, von Punktreihen und Wellenlinien umschlos-
sen, und ein stilisierter Blattfries darüber — in Schwarzbraun
1 Ant. cret. I 39, 1 (Gourniä); Excav. at Phylakopi Taf. XXVII 8. 9
melische Nachbildungen).
2 Dieses auf vormykenischen Vasen so häufige Motiv lebt bis in die
Zeit unserer Gräber fort: vgl. die Schnabelkanne oben S.144, 3 und melische
wie Excav. at Phylakopi Taf. XIV.
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