Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 40.1915

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GVKARO

Ähnliche Verwendung wird man bei einigen besseren Gold-
bändern des IV. Grabes annehmen (255-258; Schl. 285, Abb. 358;
286, 287, das letztere wieder um einen Armknochen gelegt).
Die getriebenen Verzierungen aller dieser Bänder sollen in
Verbindung mit den ähnlichen Schmucksachen der Frauen
behandelt werden. Die meisten waren blos fürs Grab gefertigt.
Im Gegensatz zu dieser geringen Ware ist der pracht-
volle Armreif IV 2631 eines der schönsten Erzeugnisse der
minoisch -mykeuischen Toreutik. Er trug auf Silbergrund
eine goldene Sternblume mit silbernem Blütenboden; diese
kunstvolle und anmutige Verbindung der beiden Metalle wird
uns noch mehrfach begegnen. Der grosse Durchmesser kommt
nur einem Männerarme zu. Dagegen gehören die oben S. 158
schon erwähnten Armbänder aus Golddraht mit Spiralschmuck
schon nach ihrem Format gewiss den Frauen an.
Auch Halsketten waren bei beiden Geschlechtern im
Gebrauch. Die oben S.157 f. besprochenen Bernsteinperlen fin-
den sich ebenso in dem Männergrabe V, wie in den Frauen-
gräbern I und III. Sie stammen, genau wie die Schieber und
Perlen aus Halbedelsteinen (Amethyst und Carneol), Fayence
oder Glas (oben S. 167), offenbar aus dem Schmuck der Le-
benden. Dagegen ist die überwiegende Masse der goldenen
Halsketten und ihrer Teile nur für das Grab gemacht, zu
praktischem Gebrauch viel zu gebrechlich. Absolut sicher ist
dies für eine Reihe von Fragmenten aus Holz, mit einem
Überzug von Flittergold, die bisher noch nicht beachtet wor-
den sind. Teile einer Halskette des V. Grabes zeigen aufge-
reihte Sternblüten, die nach den Enden zu kleiner werden.
Ähnliche, etwas reichere und grössere Muster bietet das
IV. Grab, wo aber die Holzkerne leider verschwunden sind. Da
dieses Grab Männer und Frauen enthielt, lassen sich die be-
scheidenen Schmuckstücke nicht auf die beiden Geschlechter
verteilen (goldene Halsketten fehlen hier). Einem Fürsten
1 Schliemann 262, Ab. 336; Stais S. 32-34. [Bossert Abb. 231], Interes-
sant ist das Fortleben dieser breiten Bänder mit aufgesetzter Sternblume in
sehr viel späterer Zeit. Vgl. die boeotischen Exemplare, ’Ecpr)p. <xqx- 1892,
Taf. 10. 12 (VII. Jahrh.), die wohl von assyrischen Armbändern ähnlicher
Gestalt (z. B. Layard, Mon. of Nineveh II 5. 6 u. a.) abzuleiten sind.
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