Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 40.1915

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DIE SCHACHTGRÄBER VON MYKENAI 183
(III 37, unpubliciert), das in ganz ausserordentlich nach-
lässiger und roher Arbeit Kreisgruppen und Spiralmuster
trägt. Dieses bei weitem geringste Schmuckstück von allen
Schliemannschen Funden wird man sich kaum als ursprüng-
liches Diadem der Toten, eher als einen späteren billigen Er-
satz des ursprünglichen, vielleicht gestohlenen Stirnbandes
denken. Dazu stimmt es gut, dass die Muster dieses Bleches
in ganz roher Weise die der Zacken nachzuahmen scheinen.
Übrigens könnten auch die Zacken ohne Diadem eine Krone
bilden.
x\n Blattsternen bleibt für die dritte Tote eine reiche
Auswahl: zwei ganz einfache Sterne, nur mit Punktreihen
an den Rändern verziert (III 62.90; Stai'sS. 14), ein sechs-
strahliger Stern mit Kreisbuckeln1 und endlich drei Roset-
ten, aus je zwei doppelten, mit Kreisen und Spiralranken
verzierten Platanenblättern, über die ein vierstrahliger Stern
mit kleinen getriebenen Blattzweigen gelegt ist2, ein ganz
eigenartiger Tj^pus, zu dem ich keine Analogie kenne, den
man aber doch wohl mit dem wachsenden Einfluss der
naturalistischen minoischen Kunst in Verbindung bringen
darf. Keine dieser Rosetten oder Sterne lassen sich irgendwie
mit dem ganz minderwertigen Stirnband III 37 vergleichen.
Eine Bestätigung des bisher Ausgeführten bietet uns
endlich noch das IV. Grab. Unter seinen zahlreichen Diade-
men scheiden sofort zwei aus, die an die Krone III 1 erin-
nern. Das erste3 ist in Form und Verzierung ein beschei-
deneres Gegenstück zu jener Krone: es trägt fast genau die-
selben Muster auf dem Hauptblech, und auf dessen umgebo-
genem oberen Rande sechs vierstrahlige Blattsterne. Das
zweite Diadem (IV 229; ungenau abgebildet bei Schuchhardt
253, Abb. 221; Stai's S. 31) ist ein sehr dünnes, schlechtes
1 III 89; Stals S. 7; Schliemann 220, Abb. 288. Dies Stück ist beson-
ders wichtig, weil hier der lange, starke Bronzenagel noch erhalten ist.
2 III IS. 17. 19; Schliemann 221, Abb. 289; StaisS. 10; Meurer Taf. 12.
■’ IV 230. Unvollständig und schlecht abgebildet bei Schliemann 264,
Abb. 337; Perrot-Chipiez VI 969. Restauriert bei Stai's S. 31, der es zu Un-
recht dem III. Grabe zuweist. Wahrscheinlich gehört hierzu ein Blattstern
aus zwei lanzettförmigen Doppelblättern (IV 385, unpubliciert).
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