Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 40.1915

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DIE SCHACHTGRÄBER VON MYKENAI 205
und vor Allem eine ziemlich schwere, massive Tasse (IV o.Nr.)
mit kleinem rundem Henkel und einem schnauzenförmigen
seitlichen Ausguss. Ein Vergleich dieses Ausgusses mit denen
der Lampen aus Kreta (vgl. auch die thönernen Exemplare im
Grabe von Vaphio, ’Ecp. apx- 1889, Taf. 7) legt die Erklärung
auch unserer Tasse als Lampe nahe. Sie wäre dann die älteste
der bisher auf dem Festlande bekannten und ein neues Merk-
mal minoischen Einflusses. Denn auf Kreta sind Lampen
sogar aus friihminoischer Zeit erhalten l.
Zum Schlüsse mögen noch einige Gegenstände aufge-
führt werden, deren Verwendung z. T. zweifelhaft bleibt.
'Zunächst die goldenen Waagen des III. Grabes, von denen
schon Schliemann (Mykenai 228, Abb. 301/2) zwei abgebildet
hat, während die dritte erst von Stai’s reconstruiert worden
ist. Alle drei bestehen aus ganz dünnem Flittergold, jeder
praktische Gebrauch ist ausgeschlossen, sie müssen eigens
für die Gruft hergestellt sein. Der Waagbalken mag einen
Holzkern gehabt haben, als Teller sind bei zwei Exemplaren
die oben besprochenen runden Goldscheiben mit eingestanz-
ten Sternen und Schmetterlingen verwendet2. Eine besondere
Beziehung des Schmetterlings zum Seelenkult lässt sich sonst
im kretisch-mykenischen Kreise nirgends nachweisen. Daher
wäre es allzu kühn, hier eine solche vorauszusetzen, oder gar
unsere Waagen mit homerischen Vorsteilnngen der Psvcho-
stasie zu belasten; dies wäre selbst dann unzulässig, wenn wir
für die mykenische Zeit den Glauben an eine Seelenwägung
nachweisen könnten. Denn die Gottheit hat doch ihr Gerät
bereit, es wäre ganz überflüssig, dass die einzelnen Toten
ihre Waagen mitbrächten. Eher könnten diese merkwürdigen
Grabbeigaben als Abzeichen besonderer Würde anzusehen
sein. Ihre einheimische Herkunft steht ausser Zweifel, wenn

1 R. Seager, Explor. in tbe Island of Mochlos Taf. IX 12; Lampen aus
dem Ovalhause von Cliamaizi (MM. I) bei Xanthudidis, ’Ecp. dp/. 1906,
Taf. 10; Ant. cret. II Taf. 4,3.
2 [Svoronos, Journ. int. d’arch. num. IX 1906, 181 ff. (Taf. 8.9) hat
diese Waagen und Goldplättchen (oben S. 1 87 ff.) mit den homerischen Ta-
lenten zu verbinden versucht. Darüber zuletzt Regling in Eberts Reallex.
d. Vorgesch. unter Geld, § 16],
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