Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 40.1915

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G. KARO

Finden sich doch genaue bronzene Gegenstücke, der gleichen
Form und derselben Verzierungsart, in Knossos (BSA.-IX 1 22).
Charakteristisch ist, unter dem grossen Spiralband der Schul-
ter, der Bogenfries, der den oberen Teil des Leibes vom unte-
ren trennt. Das ganze Ornament wirkt ungewöhnlich monu-
mental und gehört durchaus in den knossisehen Kreis, wo
wir um die Wende des I. und II. spätminoischen Stiles ganz
entsprechende Formen und Ornamente finden. Demnach müs-
sen wir unsere Silberkanne der letzten Bestattung des V.
Grabes zuweisen.
Schwieriger steht die Frage bei einer kleinen, glatten Sil-
berkanne mit tellerförmiger Mündung, Stabhenkel und wul-
stigem Rundstab an der Schulter (IV 511; Schliemann 380,
Abb. 353). Die altertümliche Form findet ihre Analogien auf
Kreta und Melos, aber das Gefäss selbst kann sehr wohl in
der Argolis entstanden sein. Es war nicht das einzige seiner
Art. Von einem ähnlichen Silberkännchen stammt ein Henkel
(IV 473), von ein paar anders geformten, z. T. sehr dünnwan-
digen Silberväschen, haben wir Henkel und schnabelförmige
spitze Ausgüsse (IV 475 vergoldet, 881). Hier findet auch
eine kleine goldene Schnabelkanne ihren Platz (III 74; Sta'is
S. 22 f.; Schliemann 239, Abb. 320), die mit einem Spiralnetz
in ganz flachem Relief verziert ist und einem Fayencekänn-
chen aus den Temple Repositories (BSA. IX 72) ähnelt. Sie
gehört zu einer kleinen Gruppe von goldenen Miniaturge-
fässen aus dem III. Grabe, die Stai's S. 22 ansprechend den
hier bestatteten kleinen Kindern zuweist. Der Vergleich mit
den winzigen Fayencevasen der Temple Repositories legt
freilich auch die Möglichkeit nahe, dass es sich um Weihe-
gaben handelt. Diese Gruppe umfasst eine grössere und eine
winzig kleine Büchse von einfach cylindrischer Form, mit
flachem eingefalztem Deckel (III 72. 85; Stai's S. 22.; Schlie-
mann 236.239, Abb. 318. 321), und zwei ebenfalls winzige zwei-
henkelige Töpfchen, deren Deckel an einem Drahtbügel in die
Höhe gehoben, aber nicht abgenommen werden konnte (III 81.
83; Stai'sS. 22; Schliemann 238ff., Abb. 320. 322). Ein grösseres,
dem praktischen Gebrauch dienliches Gefäss derselben Form,
mit einem getriebenen Blattkranz an der Schulter, hat Schlie-
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