Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

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DIE KYPSELOSLADE

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zu sollen, sich genau an die Reihenfolge der Gestalten zu halten,
und demgemäß setzte auch Jones die Hydra zwischen Herakles
und sein Gespann, woran jetzt noch Lippold festhält (Pauly-
Wissowa XII 1, 123). Diese sachlich unwahrscheinliche Anord-
nung lehnte jedoch Studniczka ab mit dem Hinweis darauf, daß
Pausanias auch sonst das bekämpfte Wesen als das wichtigere an
erster Stelle nennt (Arch. Jahrb. I 1886, 88 A. 7). Als Beispiele
dafür, gerade in Verbindung mit dem Bogenschuß, seien der
Tod des Tityos III 18, 15 und der der Niobiden V 11,3 er-
wähnt. Ähnlich heißt es I 15, 3 vrjsg . . . xal zcöv ßagßagcov
zovq iöJiLJtzovzaq ig zavzag (fovevovzeq oi aElXrjvsq, und im Verlauf
unserer Beschreibung findet sich dieselbe Stellung des Objekts
bei den Zweikämpfen Hektor-Aias und Koon-Agamemnon
wie auch im Kassandrabilde. Wird dadurch der Vermutung
Loeschckes ihre philologische Grundlage entzogen, so bezeugt
andrerseits das kleine Bronzerelief Nr. 4, auf dem nur eine nach
rechts sich aufbäumende Hydra erhalten ist und einen von dort
angreifenden Gegner voraussetzt, daß dieser Kampf auch in der
sonst ungewöhnlichen Richtung nach links abgebildet wurde.
Pausanias erkennt den Herakles außer an der Kampf-
handlung an seinem öxwa- Dem Ausdruck nach liegt es am
nächsten, hierin mit Overbeck und Studniczka (zu der Amphora
Nr. 7) das Löwenfell zu vermuten, denn VI 7, 2 bezeichnet Pau-
sanias geradezu die Kleidung als oxwa, III 15, 3 und VIII 37, 5
die Rüstung. Aber da nach Furtwänglers Beobachtung, bei
Roscher I 2145, die früharchaischen mutterländischen Denkmäler
dies vom Osten kommende Ausrüstungsstück des Herakles noch
nicht kennen, während es z. B. in der melischen und naukrati-
tischen Vasenmalerei bereits Eingang gefunden hatte (vgl. Buschor,
Gr. Vasenmal.2 Abb. 54 und 62), muß man ernste Bedenken
tragen, es für die Lade anzunehmen, vielleicht ohne solch vor-
greifenden Orientalismus für unbedingt ausgeschlossen zu halten.
Ausdrücklich bezeugt ist das Löwenfell freilich auch für keine
der übrigen Heraklesdarstellungen der Lade: in den Peliasspielen,
dem Atlasabenteuer, dem Geryones- und dem Kentaurenkampf.
Andrerseits kann nicht etwa ganz allgemein die Situation
bedeuten, denn die ist schon mit dem Ausdruck zov afrlov xagiv
bezeichnet, und sonstige Belege für diesen Sinn aus Pausanias
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