Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

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KRIEGERS AUSFAHRT IN DER ARCHAISCH-GRIECHISCHEN KUNST 251
anten wie in einen Rahmen setzte. Daß Amphiaraos in ganzer
Breite hinter Baton erscheint und hinter ihm durch zur avxvi-
greift, kehrt auf der Akropolisscherbe (13) wieder, deren Bild dem
Korinthischen am nächsten stand, und ebenso auf der Münchner
italischen Amphora (132, Abb. 7), aber hier schwächlich und
wie im Abklatsch. Statt des nackten Schwertes des korinthischen
Amphiaraos (nur hier und auf der Kypseloslade)1 haben wir
dort das Motiv des Schwert z i e h e n s, wie es in der künst-
lerischen Sphäre der Vase überhaupt beliebt gewesen zu sein
scheint2. Dafür läßt der Maler den Schild des Amphiaraos
weg, dessen deutliche Unterbringung dem korinthischen wie
dem attischen Meister der Akropolisscherbe (13) arges Kopf-
zerbrechen gemacht hat. Auf dem Krater trennt der Schild
des Baton den Schild des Amphiaraos von seinem Schildarm.
Und der attische Meister verdrehte den Körper des Helden in
einer Weise, daß man nicht fragen darf, was rechts und was
links ist3. — Hier sei gleich das hocharchaische Bronzeblech,
das einen Wagen etruskischer Herkunft zierte, herangezogen
(Milani, Not. d. scav. 1905, 231 ff., fig, 25; vgl. v. Massow, a. a. O.1).
Es gibt in mechanisch zweimal wiederkehrender Szene vielleicht
die älteste Darstellung von Amphiaraos’ Auszug, freilich ohne
Wagen, und bringt genau die gleiche Gruppe: Held, Knabe,
Frau wie die Münchener Vase. Auch dieser Mann zieht das
Schwert (nicht ‘Haltere’, vgl. das Schwert auf der ital. Vase
Gerhard, AV. 185), und wir bewegen uns in kunstgeschichtlichem
Kreise, der dem der Vase nicht fernsteht4.

1 Vgl. v. Massow, ob. S. 32.
2 S. die italo-ionischen Amphoren, Gerhard, AV. 185 und Louvre
E 704, Pottier pl. 53.
3 Der Panzer ist auch im Brustteil von vorn gesehen (Gorgoneion),
also trägt Amphiaraos genau genommen den Schild rechts und dreht
ihn in unmöglicher Weise auf den Rücken.
4 Inzwischen ist L. Curtius’ ausführliche Besprechung des Bronze-
bleches mit der richtigen Deutung erschienen (Festschr. für P. Arndt
36ff.). Ich zweifle aber, daß es sich hier wirklich um die ‘Urszene’
handelt, die auf der Münchener Vase weiterentwickelt, auf dem Berliner
Krater in ihrem Sinne bereits abgeschwächt wäre. Vielmehr glaube ich,
daß wir hier zwei getrennte Darstellungsweisen vor uns haben: eine öst-
liche, linksläufige mit dem Motiv des Schwertziehens und eine festländische,
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