Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

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KRIEGERS AUSFAHRT IN DER ARCHAISCH-GRIECHISCHEN KUNST 293
Daraus kann kaum das Übereinander (von vorn nach hinten)
der melischen und aller folgenden Pferdeköpfe geworden sein,
die so plötzlich mit einem ganz neuen Motiv vor uns stehen.
Das ist vom Orient übernommen, wo diese Art der Staffelung
allgemein durchgeführt ist. Und die Nimrudschale Layard II
Taf. 65 z. B. zeigt diese Lösung sogar verbunden mit dem starken
Aufwerfen der Köpfe, wie es die melischen (Conze, Mel. Ton-
gef. Taf. IV = Pfuhl, Mal. u. Zeichn. Abb. 108) und andere orien-
talisierende Vasen auszeichnet. — Die melischen Maler haben
also einfach auf ihr Viergespann übertragen, was sie für das
Zweigespann fertig geschaffen vorfanden1. Wir können noch
nicht sagen, ob Melos oder andere Kykladen selbst die Brücke
gewesen sind, die das neue Schema vom Osten zu anderen
Stilen hinüber vermittelte, oder ob es eine gemeinsame direkte
Quelle gibt. — Die melische Heraklesamphora (Ey. a.Q%. 1894,
jilv. 13 = Pfuhl, Mal. u. Zeichn. Abb. 110), die in allem einen so
kühnen Schritt aus der alten Stilisierung heraus bedeutet (viel-
leicht unter festländischer Einwirkung), bringt auch in das strenge
Schema der vier Pferdeköpfe Leben: sie läßt das erste Pferd
den Kopf niederbeugen, das zweite ihn hoch aufwerfen, so daß
beide die zwei letzten, in der Staffelung verbleibenden einrahmen:
also eine unsymmetrische Variation. Die gleiche, nur gering
abweichende Bewegung zeigt eine melische Gemme (Furtwängler,
Gemmen III 73, Abb. 55): wieder zwei gestaffelte Köpfe von
einem gehobenen und einem tiefgesenkten gerahmt, so daß die
ganze Komposition einen vollen Halbkreis bildet; nur ist hier
der vorderste Kopf unbewegt.
Etwas anders, aber noch nahe verwandt und gleichfalls
‘unsymmetrisch’ ist die Lösung auf dem frühattischen Dinos
im Louvre (E 874, Pottier pl. 61 = Morin-Jean, Le dessin des
animaux 201 fig. 232 - AM. XLIV 1919, 67 Abb. 2). Und für
das starke Aufwerfen eines Pferdekopfes muß man auch die
Reihe der späteren ionischen Denkmäler vergleichen2, sowie
1 Über Zwei-, Drei-, Viergespann und ihre Verbreitung vgl. Stud-
niczka, Arch. Jb. XXII 1907, 195; v. Mercklin, Rennwagen 26, 41, 48
Anm. 1—3, 64ff.; Nachod, Rennwagen 25 u. 63.
2 Klazomen. Sarkophage; Caeretaner Hydria Ant. Denkm. II 28;
Scherbe AM. XXIII 1898 Taf. VI 1 u. 2; Pfuhl, Mal. u. Zeichn. Abb. 146.
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