Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

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KRIEGERS AUSFAHRT IN DER ARCHAISCH-GRIECHISCHEN KUNST 299
oder Pferdeköpfen eine Eule erscheint1, von jener Gruppe zu
trennen, die einen anderen Vogel auf dem vorderen Deichsel-
ende zeigt (die beiden melischen Beispiele und der Siphnierfries).
Ob man diese letzteren Vögel für die Kaprice eines Malers
halten darf, die dann typisch geworden wäre, oder ob man sie
anders erklären soll, wird einstweilen schwer zu entscheiden
sein. Wie ein realer Deichselschmuck sehen sie jedenfalls nicht
aus, zumal die Deichselspitze ja in dem einen melischen Fall
(Conze, Mel. Tongef. Taf. IV = Pfuhl, Mal. u. Zeichn. Abb. 108)
schon in einen Greifenkopf ausläuft2, und die elegante Volute,
auf der der Vogel sitzt, ist sicher phantastische Zutat des Malers.
Daß es sich in allen drei Fällen um Göttergespanne handelt, muß
jedenfalls auffallen, ohne daß man — in Anbetracht der Spärlich-
keit des Materials — darauf Schlüsse bauen möchte3. — Das
Kapitel der Eule vollends harrt überhaupt noch der Klärung und
ist im Rahmen der Bildgeschichte noch nie genügend behandelt
worden4. Ich glaube unbedingt, daß die Eule auf dem Amphiaraos-
krater in ihrer Eigenschaft als Unglücks- und Totenvogel5 6 er-
1 Ich halte auch den Vogel der Scherbe Graef, Akropolisvas. 1 Taf. 12,
345 F, von dem v. Mercklin ausgeht, für eine Eule; ein anderer Vogel mit
Schnabel nach rechts kann es nicht sein, wenigstens keiner, der in diese
Stilstufe paßt
2 Über solchen Deichselschmuck, der aus dem Orient stammt, vgl.
Böhlau, Arch. Jb. II 1887, 36; Nuoffer, Rennwagen 31 u. 49; v. Mercklin
Rennwagen 55; Nachod, Rennwagen 38, 74, 79.
3 v. Mercklin (AJA. XX 1916,403) verweist mit Recht auf die ähnlichen
Verbindungen von Vierfüßler und Vogel, die Hörnes, Urgesch. d. Kunst1
481 f. bespricht.
4 Zuletzt unzureichend Douglas, JHS. XXXII 1912, 174ff. nur von
der Eule der Athena.
6 Dieser Ansicht auch Keller, Antike Tierwelt II 42; und schon
Roulez (Annali XV 1843, 210 Anm. 2) hatte das Auftreten von Unglücks-
vögeln auf Auszugsvasen auf epische Tradition derThebais zurückführen
wollen, was nicht von der^Hand gewiesen zu werden braucht. — Über
Eule als Unglücksvogel vergleiche: Preller-Robert 1 828; Rieß, RE. I
70; Wellmann, ebd. VI 1069; Brückner, Arch. Jb. VI 1891, 199, dessen
Deutung angesichts der dort besprochenen Lekythos (Taf. IV) ich auch
für glücklicher halte als die von Maaß (Öst. Jahresh. XI 1908, 16), der in
der Eule nur ein Wahrzeichen der Nacht sehen will (ebenso Heydemann
zur Kopenhagener Adrastvase, Arch. Ztg. XX 1866, 151 zu Taf. 206, 1,
dem gegenüber Baumeister, Denkm. I 18).
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