Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

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WALTHER WREDE

beste zu dem gleichen Prozeß, den die Löwenmähne unter den
Händen etruskischer Handwerker durchmacht (Poulsen, a. a. O.
119 u. 124, Abb. 135 u. 136).
Wir sind in diesem Kapitel anders vorgegangen als in jenem
über die helladischen Ausfahrtsszenen. Dort verlangte die bei
aller Typik lebendige Mannigfaltigkeit der Kompositionen eine
Einzelbesprechung jeder Figur. Hier ist die Typik so fest:
Wagen mit Trabanten, daß wir nur nach Gesamtdenkmälern
zu ordnen brauchten. Es wurde zu Anfang betont, daß diese
Stetigkeit bei der Reihe der Terrakottareliefs zunächst von der
Seite der mechanischen Technik betrachtet zu werden verlangt.
Doch können wir jetzt diese Vorsicht einschränken. Die Ver-
bindung der (für sich allgemein archaischen) Kriegerreihe mit
dem Wagenbesteigenden oder -fahrenden fand sich auf Kreta,
auf dem klazomenischen Sarkophag, auf der italisch-ionischen
Vase, in Etrurien. Auch die Terrakottaplatten von Gordion
(G. u. A. Körte, Gordion, Ergänzungsbd. V zum Arch. Jahrb. 158,
Abb. 141 und 168 Beil.; vgl. Koch, RM. XXX 1915, 12ff.) wollen
wir noch erwähnen, auf denen ein ebensolcher von seinem
Rundschild verdeckter Hoplit vor dem Jagdwagen marschiert,
und dabei an die archaischen Reliefs von Gjölbaschi-Trysa (s.
ob. S. 324, Anm. 2) erinnern, wo die Kriegerreihe mit Reitern
verbunden auftritt. Das ergibt einen Kreis von Fundorten,
an denen wir von vornherein besonders starke orientalische
Spuren suchen. Es ist bezeichnend, daß das einzige in Attika
gefundene ältere Stück mit gestempelter Wagenreihe (134) die
Kriegerreihe nicht hat, wie sie uns ja auch in der attischen
Vasenmalerei nicht begegnet war. Und so ist es längst aus-
gesprochen, daß dieser Typus von Wagenaufzügen auf direkte
Einwirkung des Orients zurückzuführen ist (s. Pellegrini, a. a. 0.93;
Nachod, a. a. O. 70f.). Daß die Kriegerreihe auf der Athener
Basis 135 erscheint, braucht uns in diesem Schluß nicht irre zu
machen: in der Zeit ihrer Entstehung sind die landschaftlichen
Grenzen in bezug auf die Typenauswahl doch schon stark
verwischt.
= Babeion Taf. 40 = Benndorf-Niemann, Heroon v. Gjölbaschi 152 fig. 140
= Nachod, a. a. O. 50 Nr. 28, auf der sich Rhodisches und Korinthisches
in etruskischer Mischung präsentiert.
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