Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

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MATERIALIEN ZUR GESCHICHTE DER ÄGÄISCHEN WANDERUNG 379
Hügel wirkliche Tumuli sein, wenn auch die Möglichkeit, daß
der eine oder andere als Kenotaph errichtet worden, offen bleiben
mußl.
Die Hügel aus prähistorischer Zeit sind dagegen m. E. sicher
Siedlungsteils gleich Bos-öjük. Der Nachweis läßt sich im
einzelnen folgendermaßen führen:
Besika-tepe2 zeigt Schichtung wie die übrigen Siedlungs-
tells. Brandschichten hat A. Körte erkannt, ln den Schichten
lagernde Steine sind primitive Hausfundamente. Als Funde neben
den üblichen Tierknochen große Mengen von Austernschalen,
in einem Grabtumulus ganz undenkbar, an Artefakten Polier-
steine und anderes Haushaltungsinventar. Keine Beisetzungen.
Besika-tepe verdankt somit einem prähistorischen Fischerdorfe
seine Entstehung. Die Keramik, dem frühesten Troja nahe-
stehend, zeigt bemerkenswerte Sondereigentümlichkeiten, die
nach Thessalien weisen. Da W. Dörpfeld diesen Hügel einer
neuerlichen Untersuchung unterzogen hat, wird in absehbarer
Zeit wohl reicheres keramisches Material zur Verfügung stehen.
Kara-agatsch-tepe3 (auch als Grabmal des Protesilaos
bekannt, auf der europäischen Seite des Hellesponts) erweist
sich schon durch seine oben abgeflachte Gestalt, dann durch
seine Funde (aus der Stufe Troja I bis II, bes. charakteristisch
wieder die Kornquetscher, dann auch Hausfundamente) als Teil.
Die während des Weltkrieges angestellten französischen Aus-
grabungen haben diese Annahme durchaus bestätigt.

1 Die Gleichsetzung der Hügel mit den Gräbern der Heroen muß
demnach verhältnismäßig spät erfolgt sein. Als seit hellenistischer Zeit
Ilion wieder zu Ehren kam und eine gewisse Anziehungskraft auf den
Fremdenverkehr zu gewinnen begann, mußten natürlich auch Helden-
gräber gezeigt werden, die dann in den griechischen Tumuli und prä-
historischen Teils bald gefunden waren. Älter ist dagegen die Bezeich-
nung des Kara-agatsch-tepe als Grabmal des Protesilaos, da hierauf
bereits Herodot IX 116 Bezug zu nehmen scheint.
2 Schliemann, Ilios 739 ff-; Winnefeld, a. a. O. 545 ff.; Zweifel an dem
Grabcharakter dieses Hügels hat Virchow, Verh. Berl. Anthr. Ges. 1896,
126 geäußert. Zu der neuen Grabung vgl. Dörpfeld in der Götze-Fest-
schrift 120 f.
3 Schliemann, Troja 286 ff.; Winnefeld, a. a. 0.547 f.; R. Demangel,
Le tumulus dit de Protesilaos, Paris 1926, E. de Boccard, 78 S.
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