Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

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FRITZ SCHACHERMEYR

läge eine derartige Annahme nicht allzu ferne. Wenigstens würde
es sich so erklären, daß anscheinend die Hügelgräber in derUkraine
schon etwa um 1500 aufhören, daß aber andererseits in der kurzen
bulgarischen Bronzezeit der Jahrhunderte vor 1200 in Bulgarien
(allerdings noch nicht näher untersuchte) Hügelgräber neu auf-
treten1. Auch würde es so verständlich, wieso die Phryger
nach Kleinasien die Knickhenkel mitbringen konnten, obwohl
diese in der Ukraine fehlen. Sie hatten eben während ihrer
balkanischen Zwischenstation Gelegenheit, Keramik mit dieser
Henkelform kennen zu lernen und nachzuahmen, da solche so-
wohl in Bulgarien (Eberts Reallex. II Taf. 96a, b), wie in Ru-
mänien (Eberts Reallex. XI Taf. 51 i) verbreitet war. Mit den
Phrygern sind bekanntlich die Thraker aufs engste verwandt.
Diese folgten wohl den Phrygern in ihrem Drängen nach Süden
unmittelbar nach, blieben aber schließlich in der südöstlichen
Balkanhalbinsel zurück. Auch sie haben als nationale Grab-
form das Hügelgrab (Herodot V 8) und z. T. auch noch den
nationalen Ritus, die Bestattung, wenn auch entsprechend den
mitteleuropäischen Einflüssen in historischer Zeit daneben Leichen-
verbrennung nicht unbekannt war.
Innsbruck. Fritz Schachermeyr2.

1 ßronzezeitliche Tumuli in Bulgarien erwähnt F. Wilke in Eberts
Reallex. s. v. Bulgarien C. Tumuli der reiferen Hallstadt- und der Latene-
Zeit Bull, de Einst, arch. Bulg. I 1921/2, 68ff.; II 1923/4, 99ff. (R. Popoff);
bei den Funden von Gewgeli (Prähist. Ztschr. IX 1917, 66 ff.) wird leider
nicht erwähnt, welcher Grabform sie entstammen. Nicht ohne Interesse
ist die Beobachtung, wie in der Zeit von 1200 bis etwa 900 sich die
Hügelgräber auch über die westliche Hälfte des Balkanrumpfes aus-
breiten (bes. in Bosnien, Dalmatien und Nordalbanien festgestellt; s.
Wissenschaft. Mitt. a. Bosnien u. Herz, passim), um, wohl mit der
Japygereinwanderung, sogar Apulien zu erreichen. Zur bulgarischen
Bronzezeit vgl. G. Wilke a. a. O. Daß es sich bei den dort erwähnten
‘Urnen’ um zur Bergung von Leichenbrand dienende Gefäße gehandelt
hat, ist unerwiesen. Die kuprol. Hügel Bulgariens sind nach Grabungen
(z. B. Meckur, Racev), ausnahmslos Siedlungstells gleich Bos-öjük.
2 [Vorstehende Abhandlung ist vom Verf. bereits im Sommer 1925
eingesandt worden. Für leihweise Überlassung von Zinkstöcken bzw.
Anfertigung von Galvanos sei den Verlagen de Gruyter (Abb. 2 —10)
und J. C. Hinrichs (Abb. 12) bestens gedankt. D. Red.]
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