Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 48.1923

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NEUE INSCHRIFTEN AUS NICOPOLIS AD ISTRUM.

(Hierzu Tafel XV).

Nicopolis ad Istrum ist bekanntlich von Trajan zum An-
denken an seinen Sieg über die Daker, sicher um 102, gegründet
worden 1. Die Lage der neuen Kolonie Ulpia war trefflich
gewählt: hinter Novae, wo Legio I Italica stationierte, vor den
drei Gebirgspässen 2, die über den Hämus nach Thrakien führten,
mitten in der fruchtbaren Ebene auf dem hohen linken Ufer
des Rossitza-Flusses, kurz vor seiner Mündung in die Jantra.
Durch Straßen mit den entferntesten römischen Kulturzentren 3
auf dem Balkan verbunden, gelangte die Stadt bald zur Blüte 4;
kurz nach Severus’ Tode aber, infolge der gotischen Einfälle,
ging sie zugrunde. Justinian soll sie neu aufgebaut haben 5 6,
aber erfolglos, da sie sich nie mehr erhoben hat ö.

1 Ammianus Marcellinus XXXI 5, 16; Jordanis Getica 18; Petersen,
Trajans Dakische Kriege 51.

2 Twrditza, Schipka, Rossalijsky.

3 Novae, Oescus, Melta, Philippopolis, Hadrianopolis, Cabyle,
Marcianopolis.

4 Seit Hadrian gehörte Nicopolis zur Provinz Thracia (Ptolemaios,
Geog. III 11, 7), die ein kaiserlicher Legat von praetorischem Rang
— 7]ysfid,v — verwaltete, in der Zeit des Septimius Severus und nachher
zu Moesia inferior, die unter der Verwaltung eines consularischen Legaten
stand (Pick, Die ant. Münz. N.-Grl. b). Vom Jahre 136 ist die Inschrift über
die Grenzteilung in fünf Exemplaren erhalten: Sbornik XVIII 713, XX 52;
Izwestija na blg. arch. dr-vo 1911, 271; A. E. M Ö. XV 209; C. I. L. III 749,
IIL 992, III Suppl. 12407; Tocilesco, Mon. epigr. 127.

5 Procopius, De aed. IV 11, 5.

6 Es ist zwar in der von Vladislav Grammatik (XV. Jh.) verfaßten
Lebensbeschreibung des Hlg. Johannes von Ryla-Kloster erzählt, daß
während der Überfahrt der Reste des Heiligen von Tirnovo nach Ryla im
Jahre 1469 die Prozession iiber Rossitza nach der Stadt Nicopolis gelangte
und dort von den Boljaren aufgenommen wurde, aber bis jetzt sind dort
keine Reste der mittelalterlich-christlich-bulgarischen Epoche gefunden
worden.
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