Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 5.1971

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serdem betrieb er auch eine private Malerschule.
Als Maler befasste er sich vorwiegend mit dem
Porträt. Zur besten Seite seiner Porträts gehörten
anfangs buntfarbig vollendete Damen-Roben
(Porträt der Frau Zapletal). Später unterlag auch
er einem pedanten, fasst unangenehm beschreiben-
den Realismus.
Anspruchsvolle Figuren-Kompositionen schuf
Karol Herbsthoffer (1821 — 1867). In Wien
geschult, lebte er nachher bis in die 1860-Jahre in
Paris, wo er vorher studierte (Isabey). Nach seiner
Rückkehr aus Frankreich lebte er abwechselnd
in seinem Geburtsort Bratislava und in Wien.
Herbsthoffer, ein Meister theatralischer Figuren-
Kompositionen, neigte zum historischen Genre-
Bild (Die Fürsten aus Ferrara lauscht einer Dekla-
mation des Torquato Tasso). Es wirkt wie ein
Abschied vom Biedermeier-Stil.

Ladislav Dunajský:
Bildnis des Schriftstellers J. K. Viktorin, Bronze, 1854


Bratislava war auch nach der Revolution eines
der wenigen Zentren der Grafik in der Slowakei.
In der grafischen Technik war die Lithografie vor-
herrschend. Zu den bestehenden lithografischen
Werkstätten kam der Betrieb des Karol Mangold
hinzu. Der ältere Schmied’sche Betrieb, wurde
noch im Jahre 1847 von dem aus Mähren stammen-
den Zeichner und Lithografen Jozef Kali wo da
angekauft. Wahrscheinlich in einem dieser Betriebe
arbeitete Ludwig Wiegandt, der Autor des litho-
grafischen Porträts des slowakischen Literaten
Jonatán Cipkay.
In der beschriebenen Zeit hatte Bratislava nur
einen akademisch gebildeten Bildhauer u. zw. den
Künstler tschechischer Herkunft und in Wien
geschulten Anton Brandl (1817 —1893). Er war
auf romantische und pseudohistorische Stile orien-
tiert, wozu gewiss sein Aufenthalt in England
beigetragen hat (1861). Brandl wirkte auch in
Trnava und Nitra (1862—1867), wo er einige Kir-
chen-Plastiken und Marien-Säulen schuf. Nach
seiner Rückkehr nach Bratislava, war er mit figura-
lem Reliefschmuck zur Architektur beschäftigt, bei
der ei’ seinen spielerischen Sinn für die arabeske
Komposition zum Ausdruck brachte (Hviezdoslav-
Platz Nr. 21). Die Stadt Bratislava gab Brandl
nur eine einzige Gelegenheit Monumentales zu
schaffen, indem sie ihn mit einer Brunnen-Plastik
beauftragte. Er löste die Aufgabe, indem er aus
Zinn die Statue einer Artemide (1876) in strenger
Zeichnung und einer retardierenden spätklassi-
zistischen Auffassung schuf (sie befindet sich heute
ohne Brunnen im Park des Hviezdoslav-Platzes).
Dank dem Landschaftsmaler František Rippe]i
und dem Stillebenmaler Alojz Stech (1813—1887),
verzeichnen wir im damaligen Nitra ein verhältnis-
mässig reges Kunstleben. Doch der attraktivste
unter ihnen war Eudovft Nyulassy (1811 —1892),
dem ursprünglichen Berufe nach Rechtsanwalt.
Er malte Altar-Bilder, historische Kompositionen
(Kapitulation der Ungarn bei Világos) und Genre-
Bilder ( Weinbergarbeiterin aus Zobor 1858).Nyulas-
sy war auch Zeichner und liess slowakische Volksty-
pen und Volkstrachten, sowie auch Veduten litho-
grafisch vervielfältigen (Das allgemeine Volk von
Nové Zámky; Volkstrachten aus Kamenany 1854;
Allgemeine Volkstrachten aus dem Gebiet Trenčín;
Pribina-Kirche in Nitra; Ansicht von Nitra und
Umgebung, 1868J. Das von ihm gemalte Porträt
des Nitraer Kanonikus und slowakischen Patrioten

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