Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 5.1971

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Dominik Skutecký: Sieger der Gondolier-Begatte (Detail eines unvollendeten Bildes), Oel, um 1886


alten Ungarn hatte bekanntlich nichtl boss eine
Identität. Vollkommen falsch und unwahr sit die
Anschauung, nach welcher der einzige Erbe dessen,
was in alten Ungarn geschaffen wurde — wenn es
sich nicht ausschliesslich antimadjarisch gebärdete
- dem heutigen Ungarn und seiner nationalen
Geschichte angehört.
Fürwahr, der kapitalistische Aufschwung im
alten Ungarn und die daraus resultierende Frei-
legung ungeheuerer ökonomischer und politischer
Kräfte zur Stärkung des Hinterlandes, kam haupt-
sächlich Budapest zugute, das im Jahre 1873
durch einen Zusammenschluss und verschiedentli-
cher Bauvorhaben aus Buda, Pest und Öbuda
entstand. Die ungarische Regierung war eifersüchtig
darauf bedacht, dass ihr Hauptsitz im Mittelpunkt
des ungarischen Geschehens bleibt. In grösserem
Ausmasse als früher wurden Kunsttalente aus der
Slowakei abgeschöpft. Anziehend wirkte die Stadt

auf die bildenden Künstler besonders, seit dem
hier die Regierung eine Landesschule für Modell-
zeichnen und eine Vorbereitungsstelle für Zeichen-
professoren (1871) eröffnete und später auch
eine Kunstgewerbeschule gründete (1880). Die
letzterwähnte Schule wurde im Verlaufe der
80-Jahre mit Meisterschulen, bezw. Ateliers
ergänzt, in welchen J. Benczür die Malerei und
A. Strobl die Schule für Bildhauerei leitete. In
Budapest konnte man alle Attribute eines ent-
falteten Kunstlebens spüren (Ausstellungen, Bilder-
galerien, Ateliers, Kunstkritik, Fachliteratur,
Vereine und Mäzenatentum u. s. w.).
Dem entgegen kontrastierte die Lage in der
Slowakei, wo nichts ähnliches oder dergleichen zu
finden war. Für die Verhälnisse ist z. B. eine gewis-
se Missgunst bezeichnend, mit der die ungarischen
Stellen die Gründung eines Kunstvereines in
Bratislava zur Kenntnis nahmen (1885), nachdem

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