Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 5.1971

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Eine Zusammenfassung kann nicht ohne die
Feststellung beginnen, dass sich im letzten Drittel
des 19. Jahrhunderts auf dem Gebiete der slowa-
kischen Malerei ein klares Fortschreiten der realisti-
schen Stilrichtung bemerkbar macht, welche bei
der Erfassung und Darstellung der Realität in
weitem Masse eine unmittelbare Einstellung zu ihr
ermöglicht. Die Formen werden allmählich in die
Sprache der Farbe übersetzt und an Stelle der
Tönung wird die Funktion der Modellierung von
den freiwaltenden Farbflecken übernommen, wel-
che eine Steigerung der Aufnahmsfähigkeit bewir-
ken. Die Wandlung vollzieht sich, sobald die Maler,
angeregt vom Interesse und Zauber der Heimat,
ihre Ateliers verlassen, um mit der Natur und dem
Land- und Dorfmenschen in Berührung zu kom-
men. Die Realisten nahmen letzten Endes die
Prinzipien des pleinairistischen Malens in der
Natur an. Ein Grossteil der Maler begnügte sich
jedoch mit der Erfassung von Stimmungen. Doch
diejenigen, welche die konsequente Erfassung des
Freilichtes erstrebten, gelangten bis an die Schwelle
des Impressionismus. In der Regel jedoch passten
sie sich nur gewissen Erscheinungszeichen des
Impressionismus an.
Die negativen Seiten der Entwicklung machten
sich in der Form eines „fotografischen“ Natura-
lismus bemerkbar, oder umgekehrt, in lautsprachi-
gen akademischen Effekten, weit enfternt von
einer echten Wahrung der realen Gefühls- und
Gedankenwelt. Der Realismus hatte seine program-
matische Stilopposition — neben dem älteren aus-
gesprochen idealistischen Nazarenismus, welcher
in der sakralen Kunst fortlebte — im Neobarock
und Neorenaissance, welche auf den „albernen“
und „durchschnittlichen“ Realismus reagierten.
Über Porträt kann nicht mehr gesagt werden,
dass es zur meistgepflegtesten und bedeutendsten
Malerei-Art gehört. Der spezialisierte Porträtist ist
im Schwinden begriffen, die meisten der Bildnis-
maler geben sich auch mit anderen Gemälden ab.
Neben der intimen Konzeption rückt das repräsen-
tative Porträt in den Vordergrund, dabei nimmt
einen immer breiteren Raum das Volks-Genre und
das Studien-Porträt ein.
An entscheidender Bedeutung nimmt das Genre-

Max Kurth: Auf der Wallfahrt, Oel, 1899(?)

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