Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 5.1971

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Bild zu. Es ging hauptsächlich um kleinformatige
Bilder, welche in der Regel den Charakter einer
realistischen Deskription auf der Basis einer aka-
demischen, vorwiegend Münchener Stilart, auf-
weisen. Die inhaltliche Spannweite dieser Bilder
reicht von der anekdotischen Banalität bis zur
bitteren Lebens Wahrheit, vorwiegend aus dem
Volks- und Arbeits-milieu.
Während des ganzen 19. Jahrhunderts sind wir
Zeugen einer zunehmenden Bedeutung und eines
steten Anwachsens der Landschaftsmalerei. Auch
wenn wir uns kaum dem Gefühl wiedersetzen
können, dass die slowakische Kunst in ungenügen-
dem Ausmasse und nicht zu Gänze fähig war die
gesellschaftlichen Realitäten zu wiederspiegeln, so
gilt dies nicht für das Bild, dass sie von der Land-
schaft und dem Naturprofil der Slowakei gibt.
Es liesse sich sogar behaupten, dass die Stellung,
welche die Historien-Malerei in vielen anderen
nationalen Kulturen und ihrer Kunst einnimmt,
in der Slowakei von einem vertraulichen Zwie-
gespräch mit der heimatlichen Natur repräsentiert
wird. Der progressivste Teil dieser Kunst ähnelt
jedoch nicht mehr dem Plauderhaften aus vergan-
genen Zeiten, sondern wird in seiner stillen Schön-
heit zur moralischen Kraft.
Was die anderen Malerei-Arten betrifft, so
verharrte z. B. die Historien-Marelei im slowakisch-
nationalen Sinne in ihrer sporadischen Fragment-
haftigkeit. Auch das Stilleben stagnierte. Die

Wandmalerei blieb ganz auf die Schmückung der
Land- und Dorfkirchen beschränkt.
In den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts kann
man von einer neuen Phase in der Grafik sprechen,
die sich in die Richtung der Kunstgrafik bewegte,
doch auch weiterhin auf einem akademisch-illu-
siven Stil basierte. Die technische Ausgangsbasis
der Grafik war die Radierung.
In der Bildhauerei verzeichnen wir im Vergleich
mit der Malerei eine bedeutende Verspätung der
Stilentwicklung. Ein Hauptfach der plastischen
Kunst in der Slowakei war die Bildschnitzerei,
welche bei den vorwiegend kirchlichen Aufträgen
im neogotischen Stil verharrte. Fähige Bildhauer,
insofern sie sich nicht auf die kirchliche Kunst
spezialisierten, waren genötigt, in fremden Zentren
zu wirken und von dort aus die spärlichen Aufträge
für die Slowakei zu erfüllen. Die nationalbewusste
slowakische Gesellschaft konnte — wie es von der
jeweiligen Regierung betont wurde — und durfte
der Bildhauerei keinen einzigen grosszügigen öffent-
lichen Auftrag erteilen.
Trotz der angeführten Hindernisse und Beschrän-
kungen kann die Entwicklung der slowakischen
Kunst in der letzten Phase des 19. Jahrhunderts
gewisse Regelmässigkeiten und ein Anwachsen der
Professionalität aufweisen. Von neuem lässt sich
eine lebhafte Anteilnahme der Kunst an der natio-
nalen Wiedergeburt feststellen.

Eudovit Pitthordl: Donaulandschaft vor Devin, Oel


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