Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 5.1971

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gers „Die wunderbare Brotvermehrung“ aus dem
Kloster in Kopeček bei Olomouc adaptiert. Eine
engere Bindung beweist auch die brillant gemalte
Skizze; „Der Sieg der Aurora“, die als Verzierung
des Treppenaufganges der Jasover Prälatur15 vor-
bereitet war. Die Studie symbolisiert den Sieg des
Lichtes über Dunkel und Rückständigkeit. Sie
steht nahe Troger’s Apotheose Karls VI. als den
Patron der Wissenschaft und Kunst aus der Göt-
weigschen Abtei in Österreich. Hier soll noch be-
merkt werden, dass eigentlich auch der feste
Aufbau von „Die Opferung der Tochter Jephtes“
an Troger erinnert. Die Komposition der „Opfe-
rung” weist auch gleichzeitig auf neue Momente
in das Schaffen des Künstlers hin. Die Dramatisie-
rung des Themas, die gelockerte Handhabung des
dünnen Farbaufstriches der Handschrift (was

13. Johann Lukas Kräcker, Bildnis des Jasover Prämon-
stratenserabtes Andreas Sauberer, um 1778 (?), Öl


noch ausdrucksvoller am pastosen Sieg der Aurora
zur Geltung kommt, wo der Künstler die Paste
mit energischer Bravour durchfurcht) und beson-
ders auch der Versuch einer Zersetzung der plas-
tischen Form durch Farblicht im Hintergrund des
Bildes, was den Meister mit dem Bemühen Franz
Maulbertschs (1724—1796), dem jüngeren, spiri-
tuell mehr veranlagten Repräsentanten der öster-
reichischen Malerschule, verbindet. In diesen
kleineren, bzw. Studienskizzen, denen in der
Epoche des Spätbarocks ihren Verdiensten nach
hohe Anerkennung zuteil wurde,16 versucht der
Künstler verschiedene Arten einer malerischen
Darstellung, verschiedene Modalitäten von Farb-
Licht- und Handschriftgestaltung. Das Jasover Be-
hagen mit dem Bildhauer Johann Anton Kraus
und die Verbindung mit dem antischolastischen
und später antijesuitisch orientierten Prämon-
stratenserorden und seinem aufgeklärten Vor-
stand, mit dem den Künstler aufrichtige Freun-
schaft verband, in Kräckers Oeuvre bedeutende
bildnerische Bereicherung und Reife. Die Tatsache,
dass der Künstler in seiner sovielversprechend
entfaltenen Bestrebung nicht forsetzte, kann man
einerseits seiner immer mehr abnehmenden schöp-
ferischen Kräfte zuschreiben, andererseits dem
neuen Milieu in Eger und besonders aber der
Unterordnung den Ansprüchen seines neuen Mä-
zens, dem dortigen Bischof Karl Esterhazy, einem
Verfechter klassizistischer Ideale, der allen Anzei-
chen nach die Neigung des Künstlers zu neuen
Stiltendenzen beschleunigte.
Wie wir vermuten, beleuchtet im gesamten,
bisher bekannten Kontext im Werk Kräckers
diesen Umstand auch eine aussergewöhnliche
Lage und eine gewisse Isolierung des Sabinover
Bildes und der Ölskizze „Der Sieg der Aurora“.
Gleichzeitig aber reiht sich Kräcker eben durch
diese Werke enger und vielseitiger in den Zusam-
menhang der mitteleuropäischen spätbarocken
Malerei ein, in der er sich als einer ihrer führenden
Meister erweist.
Ohne nähere Erforschung ist es nicht möglich
die Zugehörigkeit des Sabinover Bildes zur gleich-
namigen Komposition eines unidentifizierten Au-
tors zu bestimmen, das sich in der grazer Joanne-
umsammlung befindet.17 Zweifellos besteht in der
Situierung und der Bewegungsauffassung der
Hauptfigur und dem Weib zu ihrer Linken eine
auffallende Ähnlichkeit, was sich auch auf die

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