Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 1977-1981(1977)

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Georg Grass, Pegasus, 1661 (Salzburg)

Bezeichnung, weil nicht einmal ein italienischer
Garten einheitlich war. Wir können in diesem
vier Typen unterscheiden:
1. geometrischer Garten,
2. szenaristischer Garten,
3. i'ko nographischer Garten,
4. didaktischer Garten.
Der Pressburger Garten gehört teilweise zu den
szenariistischen Gärten, jedoch hat er noch Über-
bleibsel aus den mittelalterlichen Gärten. Deswe-
gen können wir ihn als aus den italienischen
Gärten hervorgehenden Typ mit heimischen Re-
siduum charakterisieren.
Die Lösung des Pressburger Primatialgartens
geht aus den Prinzipien des italienischen Gartens
der Renaissance hervor, aus dessen geometrischen
Entwurf, aus deren dekorativer Anordnung der
Einzelteile und der Anwendung des Wassers, als
unabteilbares Element. Es genügt jedoch nicht

zu sagen, dass der Garten von italienischem Re-
naissancetypus sei. Wir würden dadurch eine
Abweichung zulassen, weil im Garten wie auch
im Palais einige Elemente untergebracht sind, die
dem Garten seine endgültige Form geben und auf
Prinzipien einer weiteren Stilepoche hinweisen —
auf den Manierismus. Führen wir einige solche
Elemente an, die man aufgrund der Beschreibung
belegen kann.
Mathias Bel schreibt in seiner Notitia: „ ... im
Inneren aber dort woí hier aus versteckten Röhren
mit grosser Schnelligkeit die Wasserstrahlen he-
rausströmten, die wahrlich die nichts ahnenden
Besucher entfremdent überraschten.“28
Diese „Begiessungsunterhaltung“ ist ein typi-
scher Zug italienischer manieristischer Gärten.
Sie war schon zu Ende des 15. Jahrhunderts be-
kannt, aber in diesen Gärten wurde diese Unter-
haltung auf verschiedenartige Weise zu ihrer
Vollendung gebracht. Der Besucher ahnte nicht
wann ihn die Begiessung erreicht: „ob ihn das im
Moment erreicht, wenn er Blumen bewundert
(Bagnaia), oder wenn er in die Grotte tritt (Bas-
tello), oder wenn er durch den Tunnel gehen wird
(Villa d’Este), oder falls er sich auf eine Bank
setzt (Pratolino)“.29
Im Palais wird daher ein für den Manierismus
typisches Element verwendet. Ein weiteres Bei-
spiel kann die Lösung des Spiegelspieles sein das
in der Grotte untergebracht war. „Ringsumher
sind Spiegel in anderer und wieder anderer Form
aufgestellt und jeder von ihnen stellt ein anderes
Bild vor unsere Augen.“30 Und so verändert sich
beim Spazierengehen von Spiegel zu Spiegel die
Gestalt, einmal hat sie bloss ein Auge, dann einen
umgekehrten Kopf, ein anderes Mal hingegen
nur einen halben Kopf. Auch diese Lösung, das
Spiel mit der Wirklichkeit, das Suchen der Wirk-
lichkeit weist auf den Manierismus hin. Ein
charakteristiches Beispiel in der europäischen
Kunst des Manierismus ist Parmegianinos Porträt
im konvexen Spiegel, über das Huyghe sagt:
„. . . so fleissig waren sie bemüht die Realität zu
erfassen, dass sie sie um die übliche Ähnlichkeit
brachten und ihr ein sonderbares Aussehen ver-
liehen.“31
Ein manieristisches Element ist auch die Grotte
über die Shearman sagt, sie sei für diese Zeit
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