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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 16.1940

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https://doi.org/10.11588/diglit.42537#0039

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Funöschau

37

Stockach-Rißtorf (Stockach). Nachdem beim Fortschreiten des Kiesabbaus in der
Mülherr'schen Kiesgrube südlich der Straße von Stockach nach dem Octsteil Rißtorf im
Winter 1938/39 mehrfach Zünde zutage traten, konnten in der Zeit vom 10. 2. — 3.3. 1939
durch freundliche Unterstützung seitens des Grubenbesitzers von cand. Phil. H. Hinz
21 Gräber des schon länger bekannten alamannischen Friedhofes untersucht werden
(vgl. diese Zeitschr. II, 1932 , 388 und 13, 1937, 23). Bei einem großen Teil der Gräber war
das Kopfende schon in die Grube abgestürzt, 17 Gräber waren einmal, 4 zweimal belegt.
Störungen, meist durch Plünderung, liegen bei 10 Bestattungen vor, 3 weitere Bestattungen
sind bei Wieöerbenutzung der alten GrabaNlage gestört worden. Im Grabbau begegnen
bei Grab 34 eine Tuffsteinsetzung auf dem Grabboden und eine deutliche Sargspur bei
Grab 45. Die Gräber waren bis auf 3 Ausnahmen sehr arm an Beigaben. Genauere Ver-
öffentlichung des Grabungsergebnisfes erfolgt später im Zusammenhang (Garscha).
Straßenheimer Hof (Mannheim), Sandgrube. Am 2. Juni ein männliches Skelett,
dessen Oberteil gestört war; am rechten Unterschenkel, der wie auch das andere Bein noch
in ursprünglicher Lage war, fand sich eine Speerspitze, rechts vom Decken Teile eines Bein-
kammes, am linken Oberschenkel lagen Knochen von Schwein unid Geflügel als Beigabe;
im gestörten Teile viele kleine Eisenteilchen. Lage SW—MO (Gember).
Tiengen (Freiburg). Hn der Sammlung des Beethoven-Gymnasiums Bonn liegen aus
dem Reihengräberfeld am „Hummelbü'hl":
1. Aus einem Steinplattengrab im Acker des Fritz Vogel: 4 Pfeilspitzen, davon 3 mit
Widerhaken, 7,0 bis 9,1 cm lang. In demselben Grab sollen noch 2 weitere.Pfeilspitzen,
1 Skramasax, Münzen und Bronzegegenstände gefunden worden sein.
2. Aus einem- Frauengrab ohne Steinplatten im Acker des Ernst Lerch: ovale Eisen-
schnalle, 4,2 cm Durchmesser. Angeblich einzige Beigabe. (Mitt. G. Beiler wie oben).
Gräber ohne Beigaben.
Der Hocker von Ilvesheim und die beiden kleinwüchsigen Skelette von Singen
sind wahrscheinlich neolithisch. Die große Zahl der geosteten Gräber kann spät-
rnervwingisch oder karolingisch, vielleicht aber auch noch später sein; Blanstugen
möchte man als merowingisch ansprechen und erwarten, daß neue Gräber Beigaben
aufweisen. Ohne planmäßige Ausgrabung wird sich aber nie entscheiden lassen,
welches Alter und welche historische Bedeutung Liese Friedhöfe mit geosteten bei-
gabenlosen Gräbern haben.
Sicher mittelalterlich oder neuzeitlich sind die Gräber von Breisach, Istein,
Kirchhofen, Tiengen (Waldshut); i'm nächsten Abschnitt werden zwei Gehenkte von
Merdingen erwähnt. Vom anthropologischen Standpunkt aus gesehen, insbesondere
vom Problem der „süddeutschen Brachykephalie" aus, kommt gerade diesen Funden
eine ganz besonders große rassengeschichtliche Bedeutung zu. Wie schon früher
bitten wir daher unsere Leser von neuem, alle Skelettfunde zu bergen und zu melden.
Achkarren (Freiburg). Oberhalb des Ortes an der Straße nach Bickensohl 2 geostete
Gräber. Vielleicht Steinplattengräber, aber nicht mehr eindeutig feststellbar (H. Stoll).
Vltheim (Äberlingen). Hm April 1939 wurde beim Rebensetzen im Hausgarten des
Landwirts Hof. Rimmele ein beigabenloses Skelett gefunden. Rach Angaben vom Vater
des Finders soll schon 1924 ein ähnliches Grab gefunden worden sein, in dessen Räche „zwei
Kaffeetassen" (?) lagen (Garscha).
Bischofsingen (Freiburg). Gewann „Diegärten". Deigabenloses Skelettgrab in 1,15 m
Tiefe; Richtung: Rordost(Kopf)-Südwest. Die Bestattung war von dem römischen Brand-
grab 2 (s. o. S. 24) gestört, ist also vorrömisch (St. Linser).
Dlansingen (Lörrach). Westlich vom Ort liegt an der sogen. Römerstraße und am
Mundschlupfweg ein Reichengräberfeld. 1910 wurden beim Bau des Wasserbehäl-
ters laut Aussage des Bürgermeisters und des Ratschreibers sowie der angrenzenden
Grundbesitzer mehrere Gräber aufgedeckt. Daneben 1936 weitere Gräberfunde (Bad. Fber.
III, 1936, 387). Herbst 1937 fanld W. Schopferer bei Anlage eines Rübenloches in 0,7 bis
 
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