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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 16.1940

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https://doi.org/10.11588/diglit.42537#0122

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H. Stoll

Kommission des Archäologischen Instituts des Deutschen Reiches, Frankfurt a. M.
Der Verfasser legt hier in einer Monographie das Material aus den durch das Ar-
geschichtliche Institut Tübingen 1928—33 auf Gemarkung Hailfingen, Landkreis
Tübingen ausgegrabenen alamannischen Gräberfeldern vor. An der Ausgrabung
selbst waren mehrere beteiligt. Die ersten Funde aus dem großen Gräberfeld in
Flur Vordere Breite rettete 1925 G. Kraft. Den Beginn der systematischen Grabung
im Iahre 1928 leitete W. Hülle, dann folgte in der Grabungsleitung 1929 G. Riek,
der nebenbei zwei kleinere Gräberfelder am West- und Ostrand des Dorfes an-
schnitt. Die Hauptmasse der Gräber legte der Verfasser selbst in den Iahren 1930
bis 1933 frei. Die Ausgrabung im Hauptgräberfeld erreichte schließlich die statt-
liche Zahl von über 600 Gräbern. Die Bedeutung einer derart großzügigen Aus-
grabung liegt einmal darin, daß ein.vollständig ausgegrabenes Gräberfeld weit
sicherere Schlüsse auf die Chronologie der Beigaben zuläßt, als die zahlreichen
mehr oder weniger zufällig aufgedeckten Gräber aus den vielen Gräberfeldern der
Merowingerzeit, die wohl immer wieder schöne Funde in die Museen liesern, aber
kaum noch neue Ergebnisse für die Frühgeschichtsforschung bieten. Zum andern er-
halten wir aus einer vollständig untersuchten Ortsgemarkung klaren Äberblick über
die Siedlungsgeschichte der Alamannen, während kleine Teiluntersuchungen hierfür
meist vollkommen zwecklos verlaufen. Dies betonte schon W. Veeck, als er 1926 das
von ihm vollständig ausgegrabene Gräberfeld von Holzgerlingen, Lökr. Böb-
lingen vorlegte Auch anderswo sind derart großzügige Anternehmungen auf dem
Gebiet der Frühgeschichtsforschung im Gange, aber noch nicht vollständig abge-
schlossen. Ich nenne hier die Äntersuchung der alamannischen Gräberfelder von
Mengen, Ldkr. Freiburg im Breisgau, Herten, Ldkr. Lörrach" und Schreh-
heim in Bayrisch-Schwabens Dazu kommen zwei schweizerische Grabungen, die
kurz vor der Veröffentlichung stehen, Basel-Bernerring und Kleinhünin-
gen^. Man kann daher bis in ein Paar Iahren aus einer Reihe gründlich unter-
suchter alamannischer Gräberfelder klaren Äberblick über die alamannische Früh-
geschichte erwarten.
Das Hauptgräberfeld von Hailsingen hat eine ausfallend ähnliche Lage im
Gelände wie das Hauptgräberfeld von Mengen im Breisgau; es lag gegenüber
dem Dorf auf einem flachen Löhrücken, vom Dorf durch eine feuchte Wiesenmulde
getrennt. Das Gräberfeld Hailfingen hat unregelmäßige Abgrenzung und erreichte
eine Länge von 160 io. Beim Ort selbst wurden als Ableger im 7. Iahrh. drei kleine
Gräberfelder angelegt; das Hauptgräberfeld dagegen ging, nach den Beigaben zu
schließen, vom frühen 6. bis zum Ende des 7. Iahrh. durch. In der Anlage des
Gräberfeldes ist zu beachten, daß die Gräber des 6. Iahrh. noch mit unregelmäßi-
ger Richtung in Gruppen beisammenliegen, während sich im Laufe des 7. Iahr-
hunderts gleichmäßig ausgerichtete Reihen bilden. Die von Veeck im Gräberfeld
Holzgerlingen ausgeschiedenen Familiengruppen lassen sich auch im Hailfinger
Gräberfeld nachweisen, besonders an dessen Rand, aber Veecks Annahme einer
sippenweisen Bestattungssitte der Alamannen läßt sich nicht verallgemeinern. Im
Hailfinger Hauptgräberseld ist nämlich die Hauptmasse der Gräber des 7. Iahrh.
i W. Veeck, Der Reihengräberfriedhof von Holzgerlingen. Fber. aus Schw. RF. lll,
1926, 154 ff.
? Vorberichte von G. Kraft, Bad. Fber. 13, 1937, 124ff. bzw. III, 1936, 386.
Siehe fortlaufende Grabungsbcrichte in den Jahrbüchern des Hist. Ver. Dillingen
a. D., ferner H. Heiß, Ein Vorwort zur Chronologie des Reihengräberfeldes Schretzheim
DA. Dillingen, Bayer. Dorgesch. Dl. 14, 1937, 12 ff.
Bereits veröffentlicht ist das Gräberfeld Basel-Gotterbarmweg, E. Vogt, Anz. f.
Schweiz. Altert. 32, 1930, 145 ff.
 
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