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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 16.1940

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https://doi.org/10.11588/diglit.42537#0126

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H. Stoll

bis gegen Ende des 7. Zahrh. aus etwa 16 Höfe, zahlreiche Kleinbauernstellen und
insgesamt etwa 250 Einwohner anwuchsen. Das Endergebnis schließt gut an die
Zahlen an, die H. Dannenbauer aus einer Untersuchung der Bevölkerungsverhält-
nisse schwäbischer Dörfer des 8. Zahrh. gewonnen hat".
Das Gräberfeld von Mengen (Breisgau) zeigt, soweit dies nach dem heuti-
gen Stand der Ausgrabung gesagt werden kann, weitgehende Äbereinstimmung
mit Hailsingen. Der Ort wird in einer St. Galler Arkunde vom Iahr 786 als Ma-
gingen („Maghingas") erwähnt (und 794 im Codex des Klosters Lorsch „in
Maginger marca"), gehört also ebenfalls in die Ortsnamengruppe mit der Endung
-ingen. Der Zeitpunkt der Ortsgründung liegt meiner Ansicht nach noch im späte-
ren 5. Iahrh., denn das Gräberfeld begann nach den bis jetzt vorliegenden Grab-
beigaben ein paar Jahrzehnte früher, als das von Hailsingen. Aus diesem Grunde
sind die Bevölkerungszahlen schon im 6. Zahrh. größer als in Hailsingen. Die
allgemeine Entwicklung der Bevölkerung mit dem starken Anschwellen der Ein-
wohnerzahl vvm Ende des 6. Iahrh. ab und die Ambildung der sozialen Verhält-
nisse im 7. Iahrh. durch Gliederung der Freien nach ihrem Besitz in vollbewaff-
nete Hofbauern und leicht bewaffnete Kleinbauern ist dieselbe wie in Hailsingen.
Dagegen bedingt die Lage von Mengen nahe der verkehrsreichen Straße Basel—
Franksurt einen größeren Reichtum an Schmuckbeigaben, besonders in den Gräbern
des 6. Iahrh. Die Anlage neuer Gräberfelder gegen Ende des 7. Iahrh. rings um
das Dorf geschieht in Mengen ähnlich wie bei dem Siedlüngsausbau auf alt-
alamannischen Gemarkungen des Neckarlandes. Einen auffallend ähnlichen Be-
völkerungsaufbau wie die beiden genannten -ingen-Orte hat übrigens auch das
Gräberfeld von S ehretzheim bei Lüllingen a. D.". Das Gräberfeld von Holz-
gerlingen dagegen enthielt nur Gräber des 7. Iahrh.; der Ort ist eine Ausbau-
siedlung im „Holz" (nämlich im Reichsforst Schönbuch) von dem altalamannischen
Gerlingen aus, das unterhalb des Waldes im Strohgäu liegt. Holzgerlingen dürfte
etwa zu Beginn des 7. Iahrh. gegründet worden sein.
Ein anderer. Typ der alamannischen Ausbausiedlungen ist uns durch die Aus-
grabung des Gräberfeldes von Lörrach-SLettrn durch F. Kuhn bekannt gewor-
den". Auf einer Flußterrasse der Wiese liegt der alte Ort Lörrach, dessen Gräber-
feld nach zufällig aufgefundenen Beigaben mindestens bis in die erste Hälfte des
6. Iahrh. zurückreicht". Auf derselben Terrasse entstand innerhalb der Gemarkung
Lörrach die Aushausiedlung Stetten. Urkundlich wird der Ort zuerst im Zähre 763
als Stetiheim erwähnt". Das zugehörige alamannische Gräberfeld wurde in den
Zähren 1928—36 durch das Museum für Urgeschichte, Freihurg i. Br. (Ausgra-
bungsleitung F. Kuhn), vollständig untersucht". Aufgedeckt wurden 49 Gräber.
Da durch Bauarbeiten ein paar Gräber zerstört wurden, dürfte das Gräberfeld aus
insgesamt einigen 50 Gräbern bestanden haben (siehe Plan nach S. 128). Die durch die
Ausgrabung erfaßten 50 Bestattungen verteilen sich auf 13 Männer-, 11 Frauen-,
6 Kindergräber und 20 Tote unbestimmbaren Geschlechts. Wir haben demnach wie in
dem beiLienhei m aufgedeckten Gräberfeld (siehe S. 113 ff.) ein durchaus normales

" H. Dannenbauer, Fränkische und Schwäbische Dörfer am Ende des 8. Iahrh. Fest-
gabe f. K. Bohnenberger, Tübingen 1938.
" Siehe den endgültigen Plan in Dayr. Borgeschbl. 13, 1936, Taf. XVI.
" F. Kuhn, Der Alemannenfrieöhof von Lörrach-Stetten. Das Markgräflerland, 1936,
Heft 3/4, 1—21 mit 4 Abb. u. 1 Plan.
" E. Wagner, Fundstätten und Funde, Bd. I, 159, Abb. 104 und Taf. I ü.
" Kuhn, a. a. O., 18.
" Dorbericht von G. Kraft, Bad. Fber. I I, 1929, 21 ff.
 
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