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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 16.1940

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https://doi.org/10.11588/diglit.42537#0128

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126

H. Stoll

worden, Ein großer Teil der Bewohner Stettens wurde demnach vom 8. Iahrh. ab
anderswo bestattet, wahrscheinlich bei der heutigen Ortskirche, deren Umgebung
nach einer hübschen Entdeckung Kuhns heute noch der Rosengarten^ heißt. Die
Kirche von Stetten wird zwar erst 1275 urkundlich erwähnt, dürfte aber schon weit
früher gegründet worden sein, da der Ort selbst schon 763 in einer St. Gakler Ur-
kunde erscheint
Das Gräberfeld von Lörrach-Stetten enthielt also die Toten von zwei bis drei
Generationen einer Ausbausiedlung von Lörrach. Das gibt für den Anfang etwa
15 bis 20 Einwohner; dies ist etwa ein Zwölftel der Einwohnerzahl, die alte
alamannische Orte in jener Zeit erreicht hatten, so z. B. chailfingen. Auch nach zwei
Generationen kann die Einwohnerzahl des Ausbauortes nicht viel größer gewesen
sein. Der magere Boden Stettens ertrug keine so starke Bevölkerungszunahme mehr
wie die großen alten Gemarkungen mit fruchtbarem Löß- oder Lehmboden. Dieselbe
Anterlegenheit der Stettener Bevölkerung zeigt deren soziale Stellung. Von 13
Männergräbern enthielten nur zwei Sax und Lanze; dazu kommt ein nur mit dem
Sax ausgerüsteter Mann und vier, die nur eine Lanze bei sich hatten (siehe Plan).
Ein voll bewaffneter Mann mit Spatha war überhaupt nicht dabei' im Gegensatz
etwa zu den gleichzeitigen Gräberfeldern Hailfingen, Rosengarten und Ostfried-
hof oder zu dem oben beschriebenen Gräberfeld eines abgegangenen Hofes bei
Lienheim (S. 113 ff.). Kuhn schließt daraus mit Recht auf hörige Stellung der Stette-
ner Siedler, die anscheinend von einem größeren Grundherrn auf Rodungsland an-
gesetzt wurden. Die Grundherrschaft war vielleicht schon im 8. Iahrh. das Kloster
Säckingen, das laut Urkunden des 14. Iahrh. in Stetten den Maierhof besaß.
Eine Äbersicht über die bis jetzt angeschnittenen Gräberfelder bei Orten mit
der Benennung ,,-ftetten" im alamannischen Gebiet gibt schon nach dem heutigen
Stand der Ausgrabung wichtige Einblicke in die Anlage dieser Ortsnamengruppe
K. Bohnenberger erklärte die Orte der Namensgruppe Stetten als Ausbausied-
lungen auf öden, meist von Natur trockenen Flächen der älteren alamannischen
Markungen 2). Die -stetten-Orte mit einfacher Benennung ohne Bestimmungswort
wie etwa Lörrach-Stetten sind ohne weiteres als Ausbausiedlungen älterer Orte
erkennbar. Für einen solchen Ausbau gibt es aus jeder Ortsnamengruppe älterer
Gründung Beispiele mit nachgewiesenem Gräberfeld. Lörrach-Stetten ist Wohl ein
Vgl. Hailfingen, Nlamannisches Gräberfeld Im Rosengarten, H. Stoll, a. a. O., 9
und den Flurnamen Rosengarten bei fränkischen Gräberfeldern am Niederrhein. A. Steeger,
Die Heimat, Krefeld 1934.
2^ Kuhn, a. a. O., 21. Vgl. H. Büttner, Franken und Alamannen in Breisgau und
Ortenau. Zeitschr. f. Geschichte d. Oberrheins, N.F. 52, 1939, 326 ff.
2^ Stoll, a. a. O., S. 9 mit Plan 3 K und 6.
26 Für Württemberg liegt dafür das ausführliche Jnventarwerk von W. Beeck vor, für
Südbaden ist dasselbe von F. Garscha vorbereitet, für Schweiz und Elsaß fehlen vorerst
übersichtliche Darstellungen. Darnach wurden bis jetzt bei folgenden Orten alam. Gräber
gefunden:
in Württemberg: Aichstetten, Althengstett, Bleichstetten, Dürren- und Grünmett-
stetten, Gerstetten, Gültstein, Kocherstetten, Meßstetten, Ohnastetten, Salzstetten, Stetten
a. D., Stetten bei Balingen, — am Heuchelberg, — bei Neresheim, — ob Rottweil (siehe
Inventar bei Beeck, Die Alamannen in Württemberg), dazu Waldstetten Kr. Balingen
(eigene Museumsnotiz) u. Frohnstetten Ldkr. Sigmaringen (vgl. Anm. 30);
in Baden: Breisach-Hochstetten, Hochstetten bei Karlsruhe, Ehrenstetten, Hugstetten,
Jestetten, Kreenheinstetten (E. Wagner, Fundstätten und Funde, Bd. I, 46, 187, 218, 226).
Aus der Schweiz sind mir nach dem Fundstellenverzeichnis für den Kanton Aargau
von Bosch Gräber von Stetten und Wegenstetten bekannt geworden.
2^ K. Bohnenberger, Die Ortsnamen Württembergs, Tübingen 1926, S. 30.
 
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